Han-Dynastie

汉朝 (Hàn Cháo)

206 v. Chr. – 220 n. Chr.Hauptstadt: Chang'an (Westliche Han), Luoyang (Östliche Han)

Gegründet von Kaiser Gaozu (Liu Bang, 刘邦)

Überblick & Bedeutung

Die Han gaben dem Land seinen Namen: Die Mehrheitsbevölkerung Chinas nennt sich bis heute Han-Chinesen, die Schrift Han-Zeichen. Die Dynastie verband die Verwaltung der Qin mit der Lehre des Konfuzius, schuf mit dem Shiji das Muster der Geschichtsschreibung, öffnete die Handelswege nach Westen und brachte das Papier hervor. Spätere Dynastien maßen sich an ihr.

Wichtige Kaiser

Kaiser Gaozu (Liu Bang)
Regierungszeit: 202–195 v. Chr. als Kaiser
  • Setzte sich nach dem Sturz der Qin 202 v. Chr. in der Schlacht von Gaixia gegen seinen Rivalen Xiang Yu durch und nahm den Kaisertitel an
  • Behielt die Verwaltung der Qin bei, milderte aber Strafrecht, Abgaben und Frondienste – das Rezept, mit dem die Han vier Jahrhunderte hielten
  • Belehnte Verwandte mit Königreichen im Osten des Reiches; ihre Macht wurde in den folgenden Generationen Schritt für Schritt beschnitten
Kaiser Wen (Liu Heng)
Regierungszeit: 180–157 v. Chr.
  • Steht in der chinesischen Überlieferung für sparsame, zurückhaltende Herrschaft: gesenkte Landsteuer, abgeschaffte Verstümmelungsstrafen
  • Seine Regierung und die seines Sohnes Jing gelten zusammen als „Herrschaft von Wen und Jing“ (文景之治), eine Zeit der Erholung nach den Kriegen
Kaiser Jing (Liu Qi)
Regierungszeit: 157–141 v. Chr.
  • Schlug 154 v. Chr. den Aufstand der sieben Königreiche nieder und entzog den Fürstentümern die eigene Verwaltung
  • Hinterließ volle Kornspeicher und eine gefestigte Zentralgewalt, auf der sein Sohn Wu aufbauen konnte
Kaiser Wu (Liu Che)
Regierungszeit: 141–87 v. Chr.
  • Regierte 54 Jahre und dehnte das Reich nach Zentralasien, Korea und in den Süden bis nach Nordvietnam aus
  • Schickte 138 v. Chr. den Gesandten Zhang Qian nach Westen; aus seinen Berichten entstanden die Handelswege, die später Seidenstraße genannt wurden
  • Richtete 124 v. Chr. die kaiserliche Akademie ein und machte die konfuzianischen Klassiker zur Grundlage der Beamtenausbildung
  • Führte Staatsmonopole auf Salz und Eisen ein, um die Feldzüge zu bezahlen – ein Streitpunkt, der in der „Debatte über Salz und Eisen“ 81 v. Chr. nachhallte
Kaiser Guangwu (Liu Xiu)
Regierungszeit: 25–57 n. Chr.
  • Stellte die Dynastie nach dem Zwischenspiel des Usurpators Wang Mang wieder her und verlegte die Hauptstadt nach Luoyang – Beginn der Östlichen Han
  • Ordnete Steuern und Landbesitz neu und ließ die Kriegsschäden des Bürgerkriegs beheben, statt weitere Eroberungen zu führen

Zeitleiste

Liu Bang zieht in die Qin-Hauptstadt Xianyang ein
206 v. Chr.
Ende der Qin, Beginn des Machtkampfs mit Xiang Yu

Auswirkung: Die Han zählen ihre Dynastie von diesem Jahr an

Sieg bei Gaixia, Liu Bang wird Kaiser Gaozu
202 v. Chr.
Reichseinigung unter den Han

Auswirkung: Beginn von vier Jahrhunderten Han-Herrschaft mit nur einer Unterbrechung

Aufstand der sieben Königreiche
154 v. Chr.
Letzter Versuch der Lehnsfürsten, die Zentralmacht zu brechen

Auswirkung: Die Königreiche verloren ihre Verwaltung, das Reich wurde zentralistisch

Zhang Qians Reise nach Zentralasien
138–126 v. Chr.
Erste Berichte über die Reiche westlich des Pamir

Auswirkung: Öffnung der Handels- und Gesandtschaftswege, die später Seidenstraße genannt wurden

Sima Qian vollendet das Shiji
um 91 v. Chr.
Erste Gesamtgeschichte Chinas von den Urkaisern bis zur Gegenwart des Autors

Auswirkung: Vorbild für die 24 Dynastiegeschichten und für die Biografie als Gattung

Wang Mang usurpiert den Thron (Xin-Dynastie)
9–23 n. Chr.
Unterbrechung der Han-Herrschaft

Auswirkung: Nach Bürgerkrieg und Hungersnot Wiederherstellung durch Liu Xiu

Guangwu verlegt die Hauptstadt nach Luoyang
25 n. Chr.
Beginn der Östlichen Han

Auswirkung: Zweite Blüte mit Papier, Erdbebenanzeiger und Zeichenwörterbuch

Cai Lun stellt dem Hof das verbesserte Papier vor
105 n. Chr.
Beginn der Papierherstellung im großen Maßstab

Auswirkung: Papier ersetzte Bambusstreifen und Seide als Schriftträger und wanderte über die Seidenstraße nach Westen

Aufstand der Gelben Turbane
184 n. Chr.
Bauernaufstand nach Missernten und Hofintrigen

Auswirkung: Die Militärgouverneure, die ihn niederschlugen, wurden zu den Warlords der Endzeit

Cao Pi setzt den letzten Han-Kaiser ab
220 n. Chr.
Ende der Dynastie

Auswirkung: Beginn der Drei Reiche und einer fast 400-jährigen Teilung

Errungenschaften

Politisch
  • Bürokratie mit Rangstufen und Gehältern: Beamte wurden empfohlen, geprüft und versetzt, nicht mehr nur nach Herkunft ernannt
  • Gesetzeskodifikation auf Grundlage des Qin-Rechts, aber mit milderen Strafen und schriftlich fixierten Verfahren
  • Kommandanturen und Kreise als einheitliche Verwaltungsgliederung, die bis in die Kaiserzeit fortlebte
Kulturell
  • Konfuzianismus als Staatslehre: Die Klassiker wurden 175 n. Chr. in Stein gemeißelt und am Eingang der Akademie aufgestellt
  • Sima Qians „Aufzeichnungen des Historikers“ (Shiji, um 91 v. Chr.) – das Vorbild aller späteren Dynastiegeschichten, von den Kaisern bis zu den Kaufleuten
  • Fu-Dichtung und Volkslieder des Musikamts (Yuefu), aus denen die klassische Lyrik der Tang-Zeit schöpfte
  • Das erste Zeichenwörterbuch, Xu Shens „Shuowen jiezi“ (um 100 n. Chr.), ordnete rund 9.000 Zeichen nach 540 Radikalen
Technologisch
  • Papier: 105 n. Chr. legte der Hofbeamte Cai Lun dem Kaiser ein verbessertes Herstellungsverfahren vor; ältere Papierfunde zeigen, dass er eine bekannte Technik vollendete
  • Zhang Hengs Erdbebenanzeiger von 132 n. Chr., ein Bronzegefäß, das die Richtung ferner Beben anzeigte
  • Eisenguss, Schubkarre, Pferdegeschirr mit Brustblatt und der Zugpflug – Werkzeuge, die die Landwirtschaft produktiver machten
  • Der Huangdi Neijing, das Grundwerk der chinesischen Medizin, erhielt in der Han-Zeit seine überlieferte Form
Wirtschaftlich
  • Fernhandel über die Handelswege nach Zentralasien: Seide, Lackwaren und Eisen gingen nach Westen, Pferde, Glas und Gewürze kamen nach China
  • Staatsmonopole auf Salz, Eisen und zeitweise Wein finanzierten Heer und Grenzbefestigungen
  • Einheitliche Kupfermünze (Wuzhu, ab 118 v. Chr.), die über 700 Jahre geprägt wurde
Militärisch
  • Feldzüge gegen die Xiongnu-Reiterverbände im Norden und Ausbau der Grenzwälle nach Westen bis Dunhuang
  • Garnisonen und Protektorat in den Oasenstädten des Tarimbeckens sicherten die Handelswege

Artefakte & Archäologische Funde

Gräber von Mawangdui (Changsha)
1972 bis 1974 ausgegrabene Gräber einer Adelsfamilie aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. mit dem erhaltenen Leichnam der „Dame Dai“, Seidenmanuskripten und Lackwaren

Bedeutung: Die Seidentexte enthalten frühe Fassungen des Daodejing und die ältesten bekannten Landkarten Chinas

Han-Schriften auf Bambus und Holz
Tausende beschriftete Bambus- und Holzstreifen aus Grenzgarnisonen und Gräbern, etwa aus Juyan und Dunhuang

Bedeutung: Alltagsdokumente der Verwaltung: Dienstpläne, Proviantlisten, Briefe – Geschichte von unten

Jadegewand und Bronzespiegel
Grabgewänder aus Jadeplättchen für Fürsten wie Liu Sheng (gest. 113 v. Chr.) und Bronzespiegel mit Inschriften und kosmologischen Motiven

Bedeutung: Zeigen Jenseitsvorstellungen, Handwerkskunst und das Weltbild der Han-Elite

Terrakottafiguren des Yangling-Mausoleums
Tausende kleiner Ton-Figuren aus dem Grabbezirk Kaiser Jings bei Xi'an, ursprünglich mit Stoffkleidung und beweglichen Holzarmen

Bedeutung: Gegenstück zur Terrakotta-Armee der Qin: kleiner, friedlicher, mit Haustieren und Dienern statt Soldaten

Niedergang der Dynastie

Kindkaiser, Eunuchen und Kaiserinnenfamilien lähmten den Hof, Großgrundbesitz entzog dem Staat Steuern und Bauern, Missernten und der Aufstand der Gelben Turbane von 184 brachten die Provinzen unter die Kontrolle von Generälen. 220 dankte der letzte Kaiser zugunsten Cao Pis ab; das Reich zerfiel in die Drei Reiche Wei, Shu und Wu.