Xi'an
西安 (Xī'ān) • Chinas alte Hauptstadt
Dreizehn Dynastien regierten von hier, die Seidenstraße begann vor den Stadttoren, und der Erste Kaiser ließ sich mit einer Armee aus Ton bewachen. Heute ist Xi'an Hauptstadt der Provinz Shaanxi, Luft- und Raumfahrtstandort und Sitz eines Solarkonzerns, dessen Module auf deutschsprachigen Dächern liegen.
Chang'an: die Stadt, die China regierte
Xi'an liegt im Wei-Tal, im Herzen der nordchinesischen Lössebene, dort, wo die chinesische Staatlichkeit entstand. Die Zhou hatten ihre Hauptstädte in der Nähe, der Erste Kaiser der Qin regierte von Xianyang am gegenüberliegenden Flussufer, die Han gründeten Chang'an — die „ewige Ruhe“ — und die Sui legten im 6. Jahrhundert den Stadtplan an, der unter den Tang zur größten Stadt der Welt wurde: ein Schachbrett aus über hundert ummauerten Vierteln mit Märkten, Klöstern, einer nestorianischen Kirche und Gesandtschaften aus ganz Asien.
Mit dem Ende der Tang 907 verlor die Stadt den Hof für immer; die späteren Dynastien regierten von Kaifeng, Hangzhou, Nanjing und Beijing. Was blieb, war die Rolle als Tor nach Westen: Die Ming-Stadtmauer, die das Zentrum heute auf vierzehn Kilometern umschließt, ist die besterhaltene Chinas, und das Muslimische Viertel mit der Großen Moschee erinnert daran, dass die Hui- Gemeinde hier seit der Tang-Zeit zu Hause ist.
Im 20. Jahrhundert wurde Xi'an noch einmal zum Schauplatz nationaler Geschichte: Im Dezember 1936 setzten hier zwei Generäle Chiang Kai-shek fest und erzwangen die zweite Einheitsfront von Kuomintang und Kommunisten gegen Japan — der „Zwischenfall von Xi'an“.
Terrakotta-Armee und Seidenstraße
1974 stießen Bauern östlich der Stadt beim Brunnenbau auf Tonscherben — und auf die Grabwache des Qin Shi Huangdi: Tausende lebensgroße Soldaten in Schlachtordnung, jeder mit eigenem Gesicht. Der Grabhügel selbst ist bis heute nicht geöffnet. Das Mausoleum ist seit 1987 UNESCO-Welterbe und der meistbesuchte Ort der Provinz.
Was die Figuren kunsthistorisch bedeuten, steht im Kunst-Hub; wie man den Besuch plant, im Reiseführer.
Von Chang'an aus zog Zhang Qian im 2. Jahrhundert v. Chr. nach Zentralasien; über die Routen, die er öffnete, kamen Pferde, Glas und der Buddhismus nach China und Seide, Papier und Porzellan nach Westen. Die Große Wildganspagode wurde gebaut, um die Schriften aufzunehmen, die der Mönch Xuanzang aus Indien mitbrachte.
2014 nahm die UNESCO den Korridor Chang'an–Tianshan als Welterbe auf; die Stadt ist heute Endpunkt der Güterzugverbindungen, die Chinas Westen mit Duisburg und Wien verbinden.
Wirtschaft: Luftfahrt, Solar, Hochschulen
Xi'an ist das Zentrum von Chinas Luft- und Raumfahrtindustrie im Westen: Hier werden Militär- und Transportflugzeuge gebaut, Rumpfteile für den Verkehrsflugzeugbau gefertigt und Raketentriebwerke entwickelt. Der Nationale Zivilluftfahrt- Hightech-Park in Yanliang ist der einzige seiner Art im Land. Dazu kommen Halbleiterfertigung — Samsung betreibt in Xi'an sein größtes Werk für Speicherchips außerhalb Koreas — und Software.
Mit über sechzig Hochschulen, darunter der Xi'an Jiaotong University und der Northwestern Polytechnical University, hat die Stadt nach Beijing und Shanghai die meisten Studierenden Chinas. Für den deutschsprachigen Raum ist das die relevanteste Verbindung: Universitätspartnerschaften, Konfuzius-Institute und Absolventen, die in DACH-Unternehmen arbeiten.
Konzernzentrale in Xi'an
Xi'an und der deutschsprachige Raum
Das Konfuzius-Institut Paderborn arbeitet mit der Xidian-Universität in Xi'an zusammen — einer Hochschule für Elektronik und Nachrichtentechnik. Weitere Partnerschaften bestehen zwischen Technischen Universitäten im deutschsprachigen Raum und der Jiaotong- und der Northwestern Polytechnical University, vor allem in Maschinenbau und Werkstoffkunde.
Wer im deutschsprachigen Raum eine Photovoltaikanlage kauft, bekommt mit einiger Wahrscheinlichkeit Module oder Wafer von LONGi — dem Konzern mit Hauptsitz in Xi'an, der in Frankfurt eine Europazentrale unterhält. Das Profil erklärt, wie der Wafer-Hersteller zum Weltmarktführer wurde.
Anreise und Praktisches
Der Flughafen Xi'an Xianyang (XIY) wird aus dem deutschsprachigen Raum meist mit Umstieg in Beijing, Shanghai oder Guangzhou erreicht; Nonstop-Verbindungen wechseln saisonal — vor der Buchung prüfen.
Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist Xi'an von Beijing in rund viereinhalb Stunden, von Chengdu in drei bis vier Stunden zu erreichen. Der Bahnhof Xi'an Nord liegt an der Metro.
Es gelten die allgemeinen Einreiseregeln — Details im Visa-Ratgeber. Xi'an ist einer der Flughäfen mit visafreiem Transit.
Eine Vertretung der DACH-Staaten gibt es in Xi'an nicht; zuständig sind die Botschaften in Peking.
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