Cao Fei
曹斐
Cao Fei gehört zu den international profiliertesten Künstlerinnen Chinas. Seit den frühen 2000er-Jahren dokumentiert sie mit Video, Fotografie und virtuellen Welten, wie Wirtschaftsboom, Digitalisierung und Globalisierung den chinesischen Alltag umkrempeln — vom Perlflussdelta bis ins Metaversum. Das Time Magazine zählt sie 2026 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.
Vom Perlflussdelta in die internationale Kunstwelt
Geboren 1978 in Guangzhou — im Jahr des Beginns der Reform- und Öffnungspolitik — wuchs Cao Fei in einer Bildhauerfamilie auf: Der Vater schuf Büsten führender Politiker, darunter Deng Xiaoping, die Mutter zählte zu den wenigen Bildhauerinnen ihrer Generation. 2001 schloss Cao Fei ihr Studium an der Kunstakademie Guangzhou ab. Ihre frühen Videoarbeiten wie „Cosplayers“ (2004) entstanden direkt vor der Haustür: im rasant industrialisierten Perlflussdelta, dessen Jugend-Subkulturen und Fabrikwelten ihr erstes großes Thema wurden.
Whose Utopia und RMB City
Der Durchbruch kam mit „Whose Utopia“ (2006), gedreht in einer Glühbirnenfabrik in Foshan: Arbeiterinnen und Arbeiter führen zwischen den Fließbändern ihre Träume auf — Ballett, Gitarre, Pfauentanz. Es folgte „RMB City“ (2007–2011), eine komplette chinesische Stadt in der virtuellen Welt Second Life, mit der Cao Fei zur Pionierin digitaler Kunst wurde, lange bevor das Wort Metaversum in Mode kam. Bereits 2003 war sie mit der Gemeinschaftsarbeit „San Yuan Li“ auf der Biennale von Venedig vertreten, 2007 folgte dort ihr „China Tracy Pavilion“.
Automatisierung, Metaversum, Weltruhm
Spätere Werkgruppen begleiten die nächste Stufe der chinesischen Modernisierung: „Asia One“ (2018) spielt in einem fast menschenleeren automatisierten Logistikzentrum, „Nova“ (2019) verbindet Science-Fiction mit Retrofuturismus, „MatryoshkaVerse“ (2022) und „Oz“ (2023) vermessen das Metaversum. 2017 gestaltete sie als erste chinesische Künstlerin ein BMW Art Car (Nr. 18) — das erste rein digitale der Reihe. 2021 erhielt sie den Deutsche-Börse-Photography-Foundation-Preis; Einzelausstellungen führten sie u. a. ans Centre Pompidou, in die Serpentine Galleries, ans MAXXI Rom und 2024 mit „Meta-mentary“ ins Münchner Lenbachhaus.
Time 100 und die Basler Retrospektive
Im April 2026 nahm das Time Magazine Cao Fei in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten auf; die Würdigung schrieb Miuccia Prada. Im selben Jahr richtet das Kunstmuseum Basel ihr die bislang größte Europa-Retrospektive aus: „Cao Fei. Testimonies to the Near Future“ (30. Mai bis 11. Oktober 2026) bespielt alle vier Etagen des Gegenwart-Baus — ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz. Cao Fei lebt und arbeitet in Peking.