Tan Dun
谭盾
Tan Dun ist der international erfolgreichste Komponist Chinas: Oscar und Grammy für die Musik zu ‚Tiger and Dragon‘ (2000), der Grawemeyer-Preis für die Oper ‚Marco Polo‘, die 1996 bei der Münchener Biennale uraufgeführt wurde, und die ‚Water Passion after St. Matthew‘, die die Internationale Bachakademie Stuttgart zum 250. Todestag Bachs in Auftrag gab. Seine Musik verbindet schamanische Klänge seiner Kindheit in Hunan mit der westlichen Avantgarde — und mit Wasser, Steinen und Papier als Instrumenten.
Reisbauer, Geiger, Student der Avantgarde
In der Kulturrevolution wurde Tan Dun als Jugendlicher zur Feldarbeit aufs Land geschickt; dort hörte er die Musik der Dorfrituale, die seine späteren Werke prägt. Als Geiger einer Provinzoperntruppe kam er zur Musik, 1977 mit dem ersten Jahrgang nach der Wiedereröffnung ans Zentrale Konservatorium in Beijing — zusammen mit Chen Qigang, Guo Wenjing und Ye Xiaogang, der ‚Klasse von 1978‘, die die neue chinesische Musik begründete. 1986 ging er nach New York an die Columbia University, wo John Cage und die Downtown-Szene sein Denken über Klang veränderten.
München, Stuttgart, Hollywood
Der Durchbruch in Europa kam über den deutschsprachigen Raum: ‚Marco Polo‘, eine ‚Oper in der Oper‘ mit englischem Libretto von Paul Griffiths, wurde am 7. Mai 1996 bei der Münchener Biennale uraufgeführt und erhielt 1998 den Grawemeyer Award. Für das Bach-Jahr 2000 gab Helmuth Rillings Bachakademie vier Komponisten je eine Passion in Auftrag; Tan Duns ‚Water Passion‘ mit siebzehn beleuchteten Wasserschalen in Kreuzform wurde am 5. September 2000 in Stuttgart uraufgeführt. Im selben Jahr komponierte er für Ang Lees ‚Tiger and Dragon‘ die Filmmusik, die ihm Oscar, Grammy und BAFTA einbrachte; es folgten ‚Hero‘ für Zhang Yimou und die Musik zur Medaillenzeremonie der Olympischen Spiele 2008.
Organische Musik
Tan Duns ‚Organic Music‘ macht Naturmaterialien zu Instrumenten: das ‚Water Concerto‘, das ‚Paper Concerto‘, das ‚Earth Concerto‘ mit Keramik und Steinen. Die ‚Internet Symphony‘ für das YouTube Symphony Orchestra (2009) und die ‚Buddha Passion‘ (2018, Dresdner Musikfestspiele) zeigen die Spannweite. Seit 2013 ist er UNESCO-Sonderbotschafter, seit 2019 Dekan des Bard College Conservatory in New York. Im deutschsprachigen Raum ist er regelmäßig als Dirigent eigener Werke zu Gast.
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