Chinesische Grammatik: die Grundlagen
汉语语法 Hànyǔ yǔfǎ — was sich im Satz verändert, wenn sich die Wörter nicht verändern
Chinesische Wörter werden nicht gebeugt: Es gibt keine Konjugation, keine Fälle, keine Artikel und kein grammatisches Geschlecht. Die Arbeit, die im Deutschen Endungen leisten, übernehmen im Chinesischen die Wortstellung, kleine Partikeln und Zählwörter. Wer diese drei Werkzeuge versteht, kann schon früh vollständige Sätze bilden.
Satzbau: Wer, wann, wo, tut was
Die Grundordnung ist Subjekt – Verb – Objekt. Angaben zu Zeit und Ort stehen vor dem Verb, meist in dieser Reihenfolge: Subjekt, Zeit, Ort, Verb, Objekt. Anders als im Deutschen rückt das Verb nicht an die zweite Stelle, wenn der Satz mit einer Zeitangabe beginnt.
我喝茶。
Wǒ hē chá.
Ich trinke Tee.
我明天在家喝茶。
Wǒ míngtiān zài jiā hē chá.
Ich trinke morgen zu Hause Tee.
Häufig steht außerdem das Thema eines Satzes vorn, auch wenn es eigentlich Objekt ist: 这本书我看过。Zhè běn shū wǒ kànguo. – „Dieses Buch habe ich schon gelesen.“
Zählwörter
Zwischen einer Zahl oder einem Demonstrativpronomen und dem Nomen steht ein Zählwort (量词 liàngcí). Ähnliches kennt das Deutsche nur bei „ein Blatt Papier“ oder „eine Tasse Tee“ – im Chinesischen ist es die Regel. Im Zweifel hilft das allgemeine 个 gè, auch wenn es nicht immer idiomatisch ist.
| Zählwort | Wofür | Beispiel |
|---|---|---|
| 个 gè | allgemein, vor allem Personen und viele Dinge | 一个人 – ein Mensch |
| 本 běn | Bücher, Hefte | 两本书 – zwei Bücher |
| 张 zhāng | flache Dinge: Papier, Tische, Tickets | 一张票 – ein Ticket |
| 只 zhī | viele Tiere; eines von einem Paar | 三只猫 – drei Katzen |
| 条 tiáo | lange, schmale Dinge: Straßen, Fische, Hosen | 一条鱼 – ein Fisch |
| 件 jiàn | Kleidungsstücke, Angelegenheiten | 一件衣服 – ein Kleidungsstück |
| 杯 bēi | Tasse, Glas als Maß | 一杯茶 – eine Tasse Tee |
| 辆 liàng | Fahrzeuge | 一辆车 – ein Auto |
| 位 wèi | Personen, höflich | 一位老师 – eine Lehrkraft |
| 双 shuāng | Paare | 一双筷子 – ein Paar Stäbchen |
Ein Plural wird nicht markiert: 书 shū heißt „Buch“ oder „Bücher“. Nur bei Personen gibt es mit 们 men eine Mehrzahlendung, etwa 我们 wǒmen, „wir“.
Aspekt statt Zeitformen
Das Verb bleibt immer gleich. Wann etwas geschieht, zeigen Zeitangaben wie 昨天 zuótiān (gestern) oder 明天 míngtiān (morgen). Kleine Wörter beim Verb geben dagegen an, wie eine Handlung betrachtet wird – als abgeschlossen, als Erfahrung oder als im Verlauf.
了 le – abgeschlossen oder verändert
我买了两本书。
Wǒ mǎile liǎng běn shū.
Ich habe zwei Bücher gekauft.
过 guo – schon einmal erlebt
我去过上海。
Wǒ qùguo Shànghǎi.
Ich war schon einmal in Shanghai.
在 zài / 正在 zhèngzài – gerade im Gange
他在吃饭。
Tā zài chīfàn.
Er isst gerade.
着 zhe – andauernder Zustand
门开着。
Mén kāizhe.
Die Tür steht offen.
了 steht nicht bei jeder Vergangenheit: Gewohnheiten oder Zustände in der Vergangenheit kommen oft ohne 了 aus. Die genauen Regeln gehören zu den anspruchsvolleren Themen der Grammatik.
Adjektive, 是 und 的
Adjektive können selbst das Prädikat bilden; ein „sein“ wie im Deutschen braucht es dafür nicht. Stattdessen steht meist 很 hěn, das hier kaum „sehr“ bedeutet. 是 shì verbindet dagegen zwei Nomen. Bestimmungen stehen immer vor dem Wort, das sie näher bestimmen, verbunden durch 的 de – auch ganze Nebensätze.
茶很好喝。
Chá hěn hǎohē.
Der Tee schmeckt gut.
她是老师。
Tā shì lǎoshī.
Sie ist Lehrerin.
我昨天买的书
wǒ zuótiān mǎi de shū
das Buch, das ich gestern gekauft habe
Verneinung: 不 oder 没
不 bù
verneint Gewohnheiten, Absichten, Zukünftiges, Adjektive und 是.
我不喝咖啡。
Wǒ bù hē kāfēi.
Ich trinke keinen Kaffee.
没 méi / 没有 méiyǒu
verneint abgeschlossene Handlungen und das Verb 有 yǒu (haben).
我昨天没去。
Wǒ zuótiān méi qù.
Ich bin gestern nicht hingegangen.
Fragen bilden
- Mit 吗 ma am Satzende wird aus einer Aussage eine Ja-Nein-Frage: 你是学生吗? Nǐ shì xuésheng ma? – „Bist du Student?“ Die Wortstellung bleibt gleich.
- Fragewörter bleiben an ihrem Platz, dort, wo die Antwort stehen würde: 你去哪儿? Nǐ qù nǎr? – „Wohin gehst du?“
- Bejaht und verneint gestellt entsteht ebenfalls eine Frage: 你去不去? Nǐ qù bu qù? – „Gehst du hin (oder nicht)?“
Ergänzungen zum Verb
Oft folgt dem Verb ein zweites Element, das das Ergebnis oder die Richtung angibt. Wo das Deutsche ein eigenes Verb oder eine Vorsilbe nutzt, kombiniert das Chinesische zwei Bausteine: 听 tīng heißt „hören“, 听懂 tīngdǒng „hören und verstehen“. Die Verneinung eines Ergebnisses steht dazwischen: 听不懂 tīng bu dǒng, „nicht verstehen (können)“.
我听懂了。
Wǒ tīngdǒng le.
Ich habe es verstanden.
他走进来了。
Tā zǒu jìnlái le.
Er ist hereingekommen.
Typische Fehler Deutschsprachiger
- 是 vor Adjektiven: „Der Tee ist gut“ heißt nicht 茶是好, sondern 茶很好.
- Zeitangabe ans Ende: „Ich fahre nach Peking morgen“ klingt falsch; die Zeit steht vor dem Verb: 我明天去北京。
- 了 als Vergangenheitsform: Es markiert Abgeschlossenheit oder Veränderung, nicht jede Vergangenheit.
- Zählwort vergessen: „drei Bücher“ ist 三本书, nicht 三书.
Wie man die Grammatik lernt
Die meisten Lehrbücher führen diese Strukturen in ähnlicher Reihenfolge ein; die Lehrwerke zur HSK-Vorbereitung ordnen sie den Prüfungsstufen zu (siehe HSK). Hilfreich ist, ganze Beispielsätze statt einzelner Regeln zu lernen und Sätze laut nachzusprechen – dabei üben sich zugleich Aussprache und Töne.
Zum Weiterlesen
- Charles N. Li, Sandra A. Thompson: Mandarin Chinese. A Functional Reference Grammar. University of California Press, 1981.
- Yip Po-Ching, Don Rimmington: Chinese. A Comprehensive Grammar. Routledge, 2. Auflage 2015.
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