Qing-Dynastie
清朝 (Qīng Cháo)
Gegründet von Nurhaci (Reichsgründer, 努尔哈赤) und Hong Taiji (Dynastiename Qing, 1636)
Überblick & Bedeutung
Die Qing brachten China auf seine größte Ausdehnung und höchste Bevölkerungszahl — und in seine tiefste Krise. Das heutige Staatsgebiet, die Peking-Oper, der ‚Traum der roten Kammer' und die Sommerpaläste stammen aus dieser Zeit; ebenso die Erfahrung der Opiumkriege und ungleichen Verträge, die Chinas Verhältnis zum Westen bis heute prägt. Für den deutschsprachigen Raum ist Tsingtau der greifbarste Berührungspunkt mit der späten Qing-Zeit.
Wichtige Kaiser
- 61 Jahre auf dem Thron — die längste Regierungszeit eines chinesischen Kaisers
- Schlug den Aufstand der drei Lehensfürsten nieder und eroberte Taiwan
- Vertrag von Nertschinsk 1689 mit Russland: erster Vertrag Chinas mit einer europäischen Macht
- Ließ Jesuiten als Astronomen und Kartografen am Hof arbeiten
- Höhepunkt der Qing: das Reich erreicht seine größte Ausdehnung mit Xinjiang und Tibet
- ‚Vollständige Bibliothek der vier Schatzkammern' (Siku Quanshu) — und Zensur unerwünschter Bücher
- Wies 1793 die britische Macartney-Gesandtschaft ab
- Trat 1796 formell ab, um seinen Großvater Kangxi nicht zu übertreffen
- Regierte fast ein halbes Jahrhundert hinter dem Vorhang für drei Kaiser
- Beendete 1898 die Hundert-Tage-Reform des Kaisers Guangxu
- Stellte sich 1900 hinter die Boxer und musste nach dem Einmarsch der acht Mächte aus Beijing fliehen
- Bestieg den Thron mit zwei Jahren und dankte mit sechs ab
- Später Marionettenkaiser von Mandschukuo, zuletzt Bürger der Volksrepublik — Bertoluccis ‚Der letzte Kaiser' erzählt sein Leben
Zeitleiste
Auswirkung: Zweite Fremddynastie über ganz China; der Zopfzwang wird zum Zeichen der Unterwerfung
Auswirkung: Sichert die Nordgrenze für anderthalb Jahrhunderte
Auswirkung: Qianlongs Brief an Georg III. wird zum Sinnbild der Selbstgenügsamkeit des Reichs
Auswirkung: Hongkong an Großbritannien, fünf Vertragshäfen, Konsulargerichtsbarkeit — der Anfang des ‚Jahrhunderts der Demütigung'
Auswirkung: Schätzungsweise 20 Millionen Tote; regionale Armeen chinesischer Beamter retten die Dynastie und schwächen die Zentrale
Auswirkung: Die Niederlage gegen den kleinen Nachbarn erschüttert das Selbstbild und löst den ‚Wettlauf um Konzessionen' aus
Auswirkung: Bierbrauerei, Bahnhof und Villenviertel prägen Qingdao bis heute; die Pacht endet 1914 mit der japanischen Eroberung
Auswirkung: Das Boxerprotokoll erlegt China gewaltige Reparationen auf; Kaiser Wilhelms ‚Hunnenrede' begleitet das deutsche Kontingent
Auswirkung: Die Gelehrtenelite verliert ihren Aufstiegsweg; moderne Schulen und Auslandsstudium treten an die Stelle
Auswirkung: Nach mehr als zwei Jahrtausenden Monarchie wird China Republik
Errungenschaften
- Das Reich in seiner größten Ausdehnung: Mandschurei, Mongolei, Xinjiang, Tibet, Taiwan
- Mandschu-Han-Doppelbesetzung der hohen Ämter
- Das heutige Staatsgebiet Chinas geht in seinen Umrissen auf die Qing zurück
- Cao Xueqins ‚Der Traum der roten Kammer', der bedeutendste Roman Chinas
- Peking-Oper entsteht ab 1790 aus den Anhui-Truppen am Hof
- Textkritische Gelehrsamkeit (Kaozheng) statt neokonfuzianischer Spekulation
- Sommerpalast und Alter Sommerpalast (Yuanmingyuan) mit europäischen Bauten
- Bevölkerung wächst dank Mais, Süßkartoffel und Erdnuss aus Amerika auf über 400 Millionen
- Tee, Seide und Porzellan als Exportgüter des Kanton-Handels
- Opium als Importgut kehrt die Handelsbilanz um — Auslöser der Opiumkriege
- Jesuitische Kartografie: die Kangxi-Karte als erste Vermessung des Reichs
- Späte Selbststärkung: Arsenale, Werften, Eisenbahnen, Telegrafen ab 1860
- Bannersystem der Mandschu als Kern der Armee
- Niederlagen gegen Großbritannien (1842, 1860), Frankreich (1885) und Japan (1895)
Artefakte & Archäologische Funde
Bedeutung: UNESCO-Welterbe; Meisterwerk der chinesischen Gartenkunst
Bedeutung: Nationales Mahnmal des ‚Jahrhunderts der Demütigung'
Bedeutung: Größte Büchersammlung der chinesischen Geschichte; ein vollständiges Exemplar liegt in der Nationalbibliothek in Beijing
Niedergang der Dynastie
Bevölkerungsdruck, Korruption und der Taiping-Aufstand höhlten den Staat von innen aus, während Opiumkriege, der verlorene Krieg gegen Japan und der Boxeraufstand seine Souveränität von außen beschnitten. Die Reformen kamen zu spät und zu halbherzig. Ein Aufstand in Wuchang im Oktober 1911 breitete sich in Wochen über die Provinzen aus; im Februar 1912 dankte der Kindkaiser Puyi ab.
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