Ming-Dynastie

明朝 (Míng Cháo)

1368–1644 n. Chr.Hauptstadt: Nanjing (bis 1421), Beijing (ab 1421)

Gegründet von Kaiser Hongwu (Zhu Yuanzhang, 明太祖)

Überblick & Bedeutung

Die Ming gaben China die Verbotene Stadt, die Große Mauer in ihrer heutigen Gestalt, die vier großen Romane und das blau-weiße Exportporzellan, das in Europa Sammelleidenschaft und Manufakturen wie Meißen auslöste. Zheng Hes Flotten zeigen, was das Reich hätte werden können — und der Rückzug von der See, welchen Weg es wählte.

Wichtige Kaiser

Kaiser Hongwu (Zhu Yuanzhang)
Regierungszeit: 1368–1398
  • Vom Bettelmönch und Rebellenführer zum Kaiser — der einzige Dynastiegründer aus der Bauernschaft neben Liu Bang
  • Schaffte das Kanzleramt ab und regierte selbst; Grundlage des autokratischen Kaisertums der Ming
  • Landvermessung und Bevölkerungsregister als Basis eines agrarischen Staates
Kaiser Yongle (Zhu Di)
Regierungszeit: 1402–1424
  • Usurpierte den Thron seines Neffen und verlegte die Hauptstadt nach Beijing
  • Ließ die Verbotene Stadt und den Himmelstempel erbauen
  • Entsandte Zheng He auf die großen Seeexpeditionen bis nach Ostafrika
  • Yongle-Enzyklopädie: größtes Nachschlagewerk der vormodernen Welt
Kaiser Wanli (Zhu Yijun)
Regierungszeit: 1572–1620
  • Längste Regierungszeit der Ming; erste Jahre unter dem Reformkanzler Zhang Juzheng erfolgreich
  • Zog sich später jahrzehntelang von den Regierungsgeschäften zurück
  • Empfing 1601 den Jesuiten Matteo Ricci in Beijing

Zeitleiste

Zhu Yuanzhang ruft in Nanjing die Ming aus
1368
Gründung der Dynastie

Auswirkung: Ende der Mongolenherrschaft in China

Sieben Seeexpeditionen des Zheng He
1405–1433
China als Seemacht

Auswirkung: Flotten mit Zehntausenden Mann erreichen Indien, Arabien und Ostafrika — danach wird die Hochseefahrt eingestellt

Beijing wird Hauptstadt, die Verbotene Stadt ist bezugsfertig
1421
Machtzentrum im Norden

Auswirkung: Beijing bleibt mit kurzen Unterbrechungen bis heute Hauptstadt

Tumu-Krise: Kaiser Zhengtong gerät in mongolische Gefangenschaft
1449
Militärische Demütigung

Auswirkung: Wende zur Verteidigung; Ausbau der Großen Mauer

Matteo Ricci erreicht Beijing
1601
Beginn des jesuitischen Kulturaustauschs

Auswirkung: Euklid, Weltkarten und Uhren kommen nach China, Konfuzius nach Europa

Rebellenführer Li Zicheng nimmt Beijing, Kaiser Chongzhen erhängt sich
1644
Ende der Ming

Auswirkung: General Wu Sangui öffnet den Mandschu das Tor bei Shanhaiguan — die Qing übernehmen

Errungenschaften

Politisch
  • Wiederherstellung chinesischer Herrschaft nach den Mongolen
  • Verlegung der Hauptstadt nach Beijing, das seither Chinas Zentrum bleibt
  • Große Mauer in ihrer heutigen Form aus Ziegeln und Stein errichtet
  • Eunuchen als Machtfaktor am Hof — Segen und Fluch der Dynastie
Kulturell
  • Die großen Romane: ‚Die Reise in den Westen', ‚Die Räuber vom Liang-Schan-Moor', ‚Die drei Reiche', ‚Jin Ping Mei'
  • Kunqu-Oper mit Tang Xianzus ‚Päonienpavillon'
  • Möbelkunst aus Hartholz, die bis heute als Maßstab gilt
  • Gartenkunst von Suzhou
Technologisch
  • Zheng Hes Schatzschiffe: die größten Holzschiffe ihrer Zeit
  • Li Shizhens ‚Bencao Gangmu' (1578) als Standardwerk der Pharmakologie
  • Song Yingxings ‚Tiangong Kaiwu' (1637) als Handbuch der Technik und Handwerke
Wirtschaftlich
  • Silber aus Japan und Spanisch-Amerika wird zur Währung Chinas
  • ‚Einzelpeitschen-Reform': alle Steuern in Silber zusammengefasst
  • Jingdezhen liefert Porzellan nach Europa, Persien und Südostasien
  • Blüte der Handelsstädte im Yangtse-Delta
Religiös
  • Jesuitenmission: Matteo Ricci, Adam Schall von Bell als Vermittler zwischen Europa und China
  • Wang Yangmings Philosophie des ‚angeborenen Wissens' als Gegenpol zu Zhu Xi

Artefakte & Archäologische Funde

Verbotene Stadt
Palastanlage in Beijing mit fast tausend Gebäuden, 1406–1420 errichtet

Bedeutung: Größter erhaltener Palastkomplex der Welt, UNESCO-Welterbe

Große Mauer bei Badaling und Mutianyu
Die aus Ziegeln gemauerten Abschnitte nördlich von Beijing stammen aus der Ming-Zeit

Bedeutung: Das Bild der Großen Mauer, das die Welt kennt, ist die Ming-Mauer

Ming-Gräber (Shisanling)
Nekropole von 13 Ming-Kaisern nördlich von Beijing mit der Geisterallee

Bedeutung: Teil des UNESCO-Welterbes der kaiserlichen Grabstätten

Niedergang der Dynastie

Kleine Eiszeit, Missernten und Epidemien trafen auf einen Staat, der unter Eunuchenherrschaft, Fraktionskämpfen und Silberknappheit die Kontrolle verlor. Bauernaufstände unter Li Zicheng nahmen 1644 Beijing ein; die Mandschu, zuvor an der Nordostgrenze gehalten, zogen als Ordnungsmacht ein und gründeten die Qing.