Yuan-Dynastie

元朝 (Yuán Cháo)

1271–1368 n. Chr.Hauptstadt: Dadu/Khanbaliq (Beijing), Shangdu (Sommerresidenz)

Gegründet von Kublai Khan (Kaiser Shizu, 元世祖)

Überblick & Bedeutung

Die Yuan brachten China erstmals ganz unter Fremdherrschaft und zugleich in ein Weltreich, das von Korea bis Ungarn reichte. Beijing wurde unter ihnen zur Hauptstadt, das Blau-Weiß-Porzellan zum Exportgut, das Theater zur großen Literaturform. Die Erfahrung, dass ein Steppenvolk das Reich regieren konnte, wiederholte sich drei Jahrhunderte später mit den Mandschu.

Wichtige Kaiser

Kublai Khan (Shizu)
Regierungszeit: 1260–1294 (als Yuan-Kaiser ab 1271)
  • Enkel Dschingis Khans; vollendete die Eroberung Chinas und nahm 1271 den chinesischen Dynastienamen Yuan an
  • Baute Dadu — das heutige Beijing — als Hauptstadt nach chinesischem Vorbild
  • Verlängerte den Kaiserkanal bis Dadu und richtete ein reichsweites Poststationennetz ein
  • Zwei gescheiterte Invasionen Japans (1274, 1281)
Toghon Temür (Kaiser Huizong/Shundi)
Regierungszeit: 1333–1368
  • Letzter Yuan-Kaiser in China; verlor das Reich an die Aufstände der Roten Turbane
  • Floh 1368 in die Mongolei, wo die Dynastie als Nördliche Yuan fortbestand

Zeitleiste

Temüdschin wird als Dschingis Khan Herrscher aller Mongolen
1206
Beginn des mongolischen Weltreichs

Auswirkung: Innerhalb von zwei Generationen fallen Zentralasien, Persien, Russland und Nordchina

Vernichtung der Jurchen-Jin in Nordchina
1234
Mongolen an der Grenze der Song

Auswirkung: Vier Jahrzehnte Krieg gegen die Südlichen Song beginnen

Kublai Khan nimmt den Dynastienamen Yuan an
1271
Gründung der Yuan

Auswirkung: Der Mongolenherrscher tritt als chinesischer Kaiser auf

Sieg bei Yamen über die letzte Song-Flotte
1279
Ganz China erobert

Auswirkung: Erstmals seit der Tang ist China wieder vereint — unter fremden Herrschern

Marco Polo hält sich nach eigener Darstellung im Dienst Kublai Khans in China auf
1275–1292
Europas erster ausführlicher China-Bericht

Auswirkung: ‚Il Milione' prägt bis zu den Jesuiten das europäische Chinabild

Aufstand der Roten Turbane
1351
Beginn des Zerfalls

Auswirkung: Hochwasser, Hungersnöte und Inflation entladen sich in Aufständen im ganzen Süden

Zhu Yuanzhang nimmt Dadu ein, der Hof flieht in die Steppe
1368
Ende der Yuan in China

Auswirkung: Gründung der Ming; die Mongolen bleiben als Nördliche Yuan ein Machtfaktor

Errungenschaften

Politisch
  • Erstmals ganz China unter fremder Herrschaft, eingebunden in das mongolische Weltreich
  • Vierklassen-Ordnung: Mongolen, Westasiaten (‚Semu'), Nordchinesen, Südchinesen
  • Provinzeinteilung, die in Grundzügen bis heute gilt
Wirtschaftlich
  • Pax Mongolica: sichere Handelswege von China bis ans Schwarze Meer
  • Papiergeld als einziges gesetzliches Zahlungsmittel — und seine Inflation
  • Kaiserkanal verlängert, Seetransport von Getreide nach Dadu
Kulturell
  • Zaju-Theater: Guan Hanqing, Wang Shifu (‚Die Geschichte vom Westzimmer')
  • Blau-Weiß-Porzellan aus Jingdezhen mit persischem Kobalt für den Export
  • Literatenmalerei der ‚Vier Meister der Yuan' als Rückzug in die Kunst
  • Marco Polos Bericht prägt Europas Bild von China für Jahrhunderte
Technologisch
  • Guo Shoujings Kalenderreform mit einem Jahr von 365,2425 Tagen
  • Astronomische Instrumente und Observatorien in Dadu und Dengfeng
  • Verbreitung der Baumwolle als Textilfaser (Huang Daopo)
Religiös
  • Tibetischer Buddhismus als Hofreligion, Phagpa als Reichslehrer
  • Toleranz gegenüber Islam, Christentum und Daoismus

Artefakte & Archäologische Funde

David-Vasen (1351)
Ein Paar datierter Blau-Weiß-Tempelvasen aus Jingdezhen, heute im British Museum

Bedeutung: Fixpunkt für die Datierung des frühen Blau-Weiß-Porzellans

Observatorium von Dengfeng
Gemauerter Gnomon-Turm des Astronomen Guo Shoujing in Henan

Bedeutung: Ältestes erhaltenes Observatorium Chinas, UNESCO-Welterbe

Shangdu (Xanadu)
Ruinen der Sommerhauptstadt Kublai Khans in der Inneren Mongolei

Bedeutung: UNESCO-Welterbe; durch Coleridges Gedicht ‚Kubla Khan' zum Sinnbild des Fernen Ostens geworden

Niedergang der Dynastie

Papiergeldinflation, Dammbrüche am Gelben Fluss, Hungersnöte und die Diskriminierung der Han-Chinesen nährten den Aufstand der Roten Turbane. Aus ihm stieg der ehemalige Bettelmönch Zhu Yuanzhang auf, der 1368 Dadu einnahm und die Ming gründete.