Ai Weiwei

艾未未

KonzeptkünstlerArchitektDokumentarfilmerAktivist
Geboren:28.08.1957Beijing, China
Nationalität:Chinesisch; lebt in Portugal

Ai Weiwei ist der international bekannteste chinesische Künstler der Gegenwart — und der unbequemste. Sohn des Dichters Ai Qing, der in der Kulturrevolution verbannt wurde, ging er 1981 nach New York, kehrte 1993 zurück, beriet Herzog & de Meuron beim Olympiastadion ‚Vogelnest‘ und wandte sich dann gegen den Staat, der es gebaut hatte: Seine Bürgerrecherche zu den beim Erdbeben von 2008 gestorbenen Schulkindern, 81 Tage Haft 2011 und vier Jahre ohne Pass machten ihn zur Symbolfigur. Von 2015 bis 2019 lebte und arbeitete er in Berlin; seit 2021 in Portugal. Seine Arbeiten — hundert Millionen Porzellan-Sonnenblumenkerne, Rettungswesten am Konzerthaus Berlin, zertrümmerte Han-Vasen — verbinden chinesisches Handwerk mit politischer Geste.

Vom Dichtersohn zum Konzeptkünstler

Ai Weiwei wuchs in der Verbannung auf: Sein Vater Ai Qing, einer der bekanntesten Dichter des Landes, wurde 1958 als ‚Rechtsabweichler‘ nach Xinjiang geschickt, wo die Familie in einer Erdhöhle lebte. Nach der Rückkehr studierte Ai an der Filmakademie Beijing, gehörte 1979 zur Gruppe ‚Die Sterne‘, der ersten inoffiziellen Künstlergruppe der Volksrepublik, und ging 1981 nach New York. Dort lebte er zwölf Jahre von Gelegenheitsjobs, fotografierte das East Village und entdeckte Duchamp und Warhol. 1993 kehrte er wegen der Erkrankung des Vaters zurück.

Vogelnest, Sonnenblumenkerne, Erdbeben

In Beijing baute Ai sein Atelier in Caochangdi, gründete den Kunstraum China Art Archives and Warehouse und arbeitete als künstlerischer Berater für Herzog & de Meuron am Nationalstadion für die Olympischen Spiele 2008 — von dessen Eröffnung er sich öffentlich distanzierte. Nach dem Erdbeben von Sichuan 2008 sammelte er mit Freiwilligen die Namen von über fünftausend Schulkindern, die in eingestürzten Schulen gestorben waren; die Installation ‚Remembering‘ aus neuntausend Schulrucksäcken am Haus der Kunst in München (2009) machte die Recherche in Europa bekannt. 2010 bedeckten hundert Millionen handbemalte Porzellan-Sonnenblumenkerne aus Jingdezhen die Turbinenhalle der Tate Modern.

Haft, Passentzug, Berlin

Im April 2011 wurde Ai am Flughafen Beijing festgenommen und 81 Tage ohne Anklage festgehalten; offiziell ging es um Steuern. Vier Jahre lang durfte er das Land nicht verlassen — die Berliner Ausstellung ‚Evidence‘ im Martin-Gropius-Bau 2014 fand ohne ihn statt. Im Juli 2015 erhielt er den Pass zurück und zog nach Berlin, wo er eine Gastprofessur an der Universität der Künste antrat und im Pfefferberg ein Atelier bezog. Aus dieser Zeit stammen die Flüchtlingsarbeiten: Rettungswesten an den Säulen des Konzerthauses am Gendarmenmarkt (2016), der Dokumentarfilm ‚Human Flow‘ (2017) und die Ausstellung im Belvedere 21 in Wien (2016). 2019 verließ er Berlin — in Interviews mit deutlichen Worten über das Land — nach Cambridge, 2021 nach Portugal.

Handwerk als Argument

Was Ai Weiweis Werk von reinem Aktivismus unterscheidet, ist die Materialsprache: Porzellan aus Jingdezhen, Holz aus abgerissenen Tempeln, Lego-Steine, Marmor. ‚Dropping a Han Dynasty Urn‘ (1995) zeigt ihn, wie er eine zweitausend Jahre alte Vase fallen lässt — eine Frage nach Wert und Zerstörung, die China seit der Kulturrevolution begleitet. Seine Autobiografie ‚1000 Jahre Freud und Leid‘ (2021) erzählt sein Leben und das seines Vaters als eine Geschichte.

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