Tu Youyou
屠呦呦 (Tú Yōuyōu)
Tu Youyou (geboren 1930 in Ningbo) ist die Pharmakologin, die aus dem Einjährigen Beifuß den Malariawirkstoff Artemisinin gewann. Dafür erhielt sie 2011 den Lasker-DeBakey-Preis und 2015 als erste chinesische Wissenschaftlerin einen Nobelpreis – die Hälfte des Preises für Physiologie oder Medizin, „für ihre Entdeckungen zu einer neuartigen Therapie gegen Malaria“.
Ausbildung zwischen Pharmazie und Kräuterkunde
Tu Youyou wuchs in Ningbo an der Küste Zhejiangs auf und studierte von 1951 bis 1955 Pharmazie an der Medizinischen Hochschule Peking. Danach ging sie an das Institut für Materia Medica der Chinesischen Akademie für Chinesische Medizin, an dem sie Professorin wurde. Ihre Arbeit verband beides: die Pharmakologie ihres Studiums und die Kräuterliteratur der klassischen chinesischen Medizin, die sie systematisch nach Hinweisen durchsuchte.
Projekt 523: die Suche im alten Text
Am 23. Mai 1967 begann in China ein geheimes militärisches Forschungsprogramm gegen die chloroquinresistente Malaria, nach dem Datum „Projekt 523“ genannt. Tu Youyou übernahm die Leitung einer Gruppe, die Heilmittel aus der Überlieferung systematisch prüfte. Sie sammelte rund 2.000 Rezepturen aus alten Texten und Volksmedizin; bis 1971 hatte ihr Team daraus 380 Extrakte aus 200 Pflanzen hergestellt. Der Einjährige Beifuß (青蒿, qīnghāo, Artemisia annua) fiel auf, wirkte aber unzuverlässig. Den Schlüssel fand sie in einem Handbuch für Notfallrezepte, das der Gelehrte Ge Hong im Jahr 340 verfasst hatte: Dort wird der Beifuß nicht gekocht, sondern in kaltem Wasser eingeweicht und der Saft getrunken. Tu Youyou schloss daraus, dass Hitze den Wirkstoff zerstört, und stellte die Extraktion auf niedrige Temperaturen mit Ether um.
Artemisinin: vom Extrakt zum Wirkstoff
1971 wirkte der neue Extrakt im Tierversuch gegen Malariaparasiten; am 8. November 1972 lag der reine Wirkstoff vor, in China Qinghaosu genannt, international Artemisinin. Erste Versuche an Patienten folgten noch im selben Jahr, 1973 stellte ihre Gruppe mit Dihydroartemisinin eine noch wirksamere Abwandlung her. Die internationale Anerkennung kam Jahrzehnte später, dann aber mit den beiden höchsten Auszeichnungen der Medizin.
Lasker-Preis, Nobelpreis und eine Debatte
2011 verlieh die Lasker Foundation ihr den Lasker-DeBakey-Preis für klinische Forschung, mit der Begründung, Artemisinin habe weltweit Millionen Leben gerettet, vor allem in Entwicklungsländern. 2015 folgte der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, den sie sich mit William C. Campbell und Satoshi Ōmura teilte, die für einen Wirkstoff gegen Fadenwurm-Infektionen ausgezeichnet wurden. Tu Youyou war die erste Chinesin, die einen wissenschaftlichen Nobelpreis erhielt. Ihr Fall wird seither in der Diskussion um die Traditionelle Chinesische Medizin von beiden Seiten angeführt: als Beleg, dass die Kräuterliteratur Wissen enthält – und als Beleg, dass dieses Wissen erst durch Isolierung, Dosierung und klinische Prüfung zu einem Medikament wird.
Was der Fall für Leserinnen und Leser im deutschsprachigen Raum bedeutet
Wer sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin beschäftigt, kommt an Tu Youyou nicht vorbei, weil ihre Arbeit die Grenze zwischen Überlieferung und Pharmakologie sichtbar macht: Der Hinweis stammte aus einem Text des 4. Jahrhunderts, der Wirkstoff aus dem Labor. Auf dieser Site ordnet die Seite zur TCM den Fall in die Debatte um Evidenz ein; die Originalquellen – die Begründungen der Lasker Foundation und der Nobelversammlung – stehen unten.
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Quellen
Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.
- Wikipedia (deutsch, englisch, chinesisch) (Wikimedia Foundation und Freiwillige; laufend) · Quellenprofil
- Tu Youyou – Facts, Nobelversammlung am Karolinska-Institut (Preisbegründung, Anteil, Zugehörigkeit)
- Pressemitteilung der Nobelversammlung, 5. Oktober 2015 (Aufteilung des Preises, Begründung für Campbell und Ōmura)
- Artemisinin therapy for malaria – Lasker Foundation, Preis 2011 (Projekt 523, Ge Hong, Extraktion, Daten 1971/1972)
- Tu Youyou – Artikel der deutschen Wikipedia (Ausbildung, Dihydroartemisinin 1973)
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