Der chinesische Mondkalender und die 24 Sonnenperioden

农历 nónglì und 二十四节气 èrshísì jiéqì — warum Feste wandern und Jahreszeiten trotzdem festliegen

Das chinesische Neujahr fällt auf den 17. Februar 2026, im Jahr darauf auf den 6. Februar 2027, dann auf den 26. Januar 2028. Wer die Termine nebeneinanderlegt, sieht das Prinzip sofort: Das Fest rückt jedes Jahr um gut elf Tage nach vorn und springt dann wieder einen Monat zurück. Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein Kalender, der zwei Uhren gleichzeitig abliest – den Mond für die Monate und die Sonne für das Jahr.

Dieser Kalender heißt auf Chinesisch 农历 nónglì, „Bauernkalender“, oder 阴历 yīnlì, „Mondkalender“. Genau genommen ist er ein Lunisolarkalender: Die Monate beginnen mit dem Neumond, das Jahr bleibt aber an die Jahreszeiten gebunden. Im Alltag rechnet China seit über hundert Jahren nach dem gregorianischen Kalender; für Feste, Geburtstage älterer Menschen, Hochzeitstermine und das Tierkreiszeichen zählt bis heute der traditionelle.

Mondmonate: Der Monat beginnt mit dem Neumond

Ein Monat dauert von einem Neumond zum nächsten, also 29 oder 30 Tage. Der erste Tag heißt 初一 chūyī, der Vollmond fällt auf den 15. – deshalb feiern das Laternenfest, das Geisterfest und das Mittherbstfest alle bei Vollmond. Zwölf solcher Monate ergeben rund 354 Tage, etwa elf Tage weniger als ein Sonnenjahr. Ohne Korrektur würde das Neujahr innerhalb weniger Jahrzehnte in den Sommer wandern, wie es im rein lunaren islamischen Kalender geschieht.

Die Korrektur ist der Schaltmonat, 闰月 rùnyuè. Er wird sieben Mal in 19 Jahren eingeschoben, im Schnitt also alle zwei bis drei Jahre, und ein solches Jahr hat 13 Monate. Welcher Monat verdoppelt wird, entscheidet die Astronomie: Es ist der erste Monat, in dem keine der zwölf „Mittelperioden“ des Sonnenjahres liegt (siehe unten). Er übernimmt die Nummer seines Vorgängers, ein zweiter vierter Monat heißt 闰四月 rùn sìyuè. Feste werden im Schaltmonat nicht wiederholt.

Das Jahr beginnt mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende

Der Jahresanfang ist so festgelegt, dass die Wintersonnenwende immer im elften Monat liegt. Das Frühlingsfest, der erste Tag des ersten Monats, fällt dadurch zwischen den 21. Januar und den 20. Februar. Berechnet werden die Daten für die Zeitzone Pekings; das Hong Kong Observatory veröffentlicht Tabellen für die Jahre 1901 bis 2100, aus denen auch der Sternzeichen-Rechner dieser Site die Jahresgrenzen bezieht.

JahrChinesisches Neujahr
202617. Februar 2026
20276. Februar 2027
202826. Januar 2028
202913. Februar 2029
20303. Februar 2030

Quelle der Daten: Hong Kong Observatory, Umrechnungstabellen gregorianischer und chinesischer Kalender.

Mit dem Jahr wechselt auch das Tierkreiszeichen. Wer im Januar oder Anfang Februar geboren ist, gehört deshalb oft noch zum Vorjahr – die Zuordnung erklärt die Seite zu den chinesischen Sternzeichen. Die Jahre selbst werden traditionell in einem Zyklus von 60 Jahren gezählt, der zehn „Himmelsstämme“ mit zwölf „Erdzweigen“ kombiniert; 2026 ist in dieser Zählung ein Jahr 丙午 bǐngwǔ, das Feuer-Pferd.

Die 24 Sonnenperioden: Das Sonnenjahr in 15-Grad-Schritten

Neben den Mondmonaten kennt der Kalender eine zweite Einteilung, die allein von der Sonne abhängt: die 24 节气 jiéqì, auf Deutsch meist „Sonnenperioden“ oder „Jahreseinteilungen“. Sie teilen den Lauf der Sonne durch den Tierkreis in 24 Abschnitte von je 15 Grad. Jede Periode beginnt, wenn die Sonne eine bestimmte Länge erreicht – die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden gehören ebenso dazu wie Marken für Regen, Hitze, Tau und Frost.

Weil die Sonnenperioden dem Sonnenstand folgen, liegen sie im gregorianischen Kalender fast fest, sie schwanken nur um einen Tag. Das erklärt, warum das Qingming-Fest immer Anfang April stattfindet und die Wintersonnenwende immer um den 22. Dezember, während das Frühlingsfest wandert. Die Sonnenperioden waren über Jahrhunderte der Kalender der Landwirtschaft, weil sie Aussaat, Bewässerung und Ernte an das Wetter banden, nicht an den Mond. 2016 hat die UNESCO die 24 Sonnenperioden in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

ZeichenPinyinBedeutungBeginn (± 1 Tag)
立春LìchūnFrühlingsanfang4. Februar
雨水YǔshuǐRegenwasser19. Februar
惊蛰JīngzhéErwachen der Insekten5. März
春分ChūnfēnFrühlings-Tagundnachtgleiche20. März
清明QīngmíngKlar und hell5. April
谷雨GǔyǔGetreideregen20. April
立夏LìxiàSommeranfang5. Mai
小满XiǎomǎnKleine Fülle21. Mai
芒种MángzhòngKörner mit Grannen6. Juni
夏至XiàzhìSommersonnenwende21. Juni
小暑XiǎoshǔKleine Hitze7. Juli
大暑DàshǔGroße Hitze23. Juli
立秋LìqiūHerbstanfang7. August
处暑ChǔshǔEnde der Hitze23. August
白露BáilùWeißer Tau8. September
秋分QiūfēnHerbst-Tagundnachtgleiche23. September
寒露HánlùKalter Tau8. Oktober
霜降ShuāngjiàngReifbildung23. Oktober
立冬LìdōngWinteranfang7. November
小雪XiǎoxuěKleiner Schnee22. November
大雪DàxuěGroßer Schnee7. Dezember
冬至DōngzhìWintersonnenwende22. Dezember
小寒XiǎohánKleine Kälte6. Januar
大寒DàhánGroße Kälte20. Januar

Jede zweite Periode – Regenwasser, Frühlings-Tagundnachtgleiche, Getreideregen und so fort – ist eine „Mittelperiode“ (中气 zhōngqì). Ein Mondmonat ohne Mittelperiode wird zum Schaltmonat.

Welches Fest an welchem Kalender hängt

Die meisten Feste liegen an einem festen Tag des Mondkalenders, oft am Neumond (1.) oder Vollmond (15.); zwei folgen einer Sonnenperiode. Gesetzliche Feiertage und Brückentage legt der Staatsrat jedes Jahr im Herbst für das Folgejahr fest – erst damit stehen die freien Tage für Reise- und Geschäftsplanung verbindlich fest.

FestTermin im traditionellen Kalender
Chinesisches Neujahr (Frühlingsfest)1. Tag des 1. Monats
Laternenfest15. Tag des 1. Monats
Qingming-FestSonnenperiode Qīngmíng, 4. oder 5. April
Drachenbootfest5. Tag des 5. Monats
Qixi-Fest7. Tag des 7. Monats
Geisterfest15. Tag des 7. Monats
Mittherbstfest15. Tag des 8. Monats
Doppelneun-Fest9. Tag des 9. Monats
Laba-Fest8. Tag des 12. Monats
Wintersonnenwende (Dongzhi)Sonnenperiode Dōngzhì, 21. oder 22. Dezember

Die gregorianischen Termine der kommenden Jahre stehen im Festkalender.

Ein Datum umrechnen

  • Für ein bestimmtes Jahr: Die Tabellen des Hong Kong Observatory nennen für jeden Tag von 1901 bis 2100 das Datum im traditionellen Kalender – verlässlich, weil für Pekinger Zeit gerechnet.
  • Im Alltag: Die Kalender-Apps gängiger Smartphones können den chinesischen Kalender einblenden. In Grenzfällen, wenn der Neumond kurz vor Mitternacht Pekinger Zeit eintritt, weichen manche Programme um einen Tag ab; die Observatoriumstabellen gelten.
  • Für Geburtstage: Ältere Menschen nennen ihren Geburtstag häufig im Mondkalender. Für die Umrechnung braucht es das Geburtsjahr und die Angabe, ob der Monat ein Schaltmonat war.

Im deutschsprachigen Raum

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind chinesische Feste keine gesetzlichen Feiertage. Vereine, Konfuzius-Institute und Gemeinden legen ihre Feiern deshalb meist auf das Wochenende, das dem traditionellen Datum am nächsten liegt; ein Neujahrsfest kann so eine Woche vor oder nach dem eigentlichen Tag stattfinden. Termine laufender Veranstaltungen sammelt die Seite Veranstaltungen. Wer mit Partnern in China plant, sollte die Goldene Woche zum Frühlingsfest und die Feiertagsmitteilung des Staatsrats im Blick behalten: In den Tagen um das Neujahr stehen Fabriken und Behörden weitgehend still.

Häufige Fragen

Warum liegt das chinesische Neujahr jedes Jahr an einem anderen Tag?

Weil das Jahr mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende beginnt und zwölf Mondmonate etwa elf Tage kürzer sind als ein Sonnenjahr. Das Datum wandert zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar; ein Schaltmonat holt den Rückstand alle zwei bis drei Jahre auf.

Gibt es Jahre mit 13 Monaten?

Ja, sieben Mal in 19 Jahren. Der Schaltmonat trägt die Nummer des vorangehenden Monats mit dem Zusatz rùn; Feste werden in ihm nicht wiederholt.

Warum fällt Qingming fast immer auf den 4. oder 5. April?

Qingming ist kein Mondfest, sondern eine der 24 Sonnenperioden. Sie folgen dem Sonnenstand und sind im gregorianischen Kalender bis auf einen Tag fest.

Wann wechselt das Tierkreiszeichen?

Mit dem Neujahrstag des traditionellen Kalenders, nicht am 1. Januar. Manche Astrologen rechnen stattdessen ab der Sonnenperiode Lìchūn um den 4. Februar; der Sternzeichen-Rechner dieser Site verwendet den Neujahrstag.

Quellen

Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.

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