Jade (玉)
Der Stein, der in China vor der Bronze kam und den Edlen mit seinen Tugenden vergleichen ließ: Jade ist Ritualobjekt, Rangabzeichen, Grabbeigabe, Sammlerstück und Schmuck – und zwei verschiedene Minerale, die ein Wort teilen.
Ein Wort, zwei Steine
Das chinesische Wort yù (玉) ist weiter als das deutsche „Jade“: Es meint alle Steine, die sich fein schnitzen und polieren lassen. Mineralogisch stehen dahinter vor allem zwei Materialien. Nephrit, ein Amphibol, ist die Jade der Geschichte: zäh wie kaum ein anderer Stein, seidig glänzend, in Grün, Gelb, Braun und dem begehrten Weiß, das die Chinesen „Hammelfett“ nennen. Der wertvollste Nephrit kam aus Khotan im heutigen Xinjiang, und das Königreich Khotan lieferte den weißen Stein als jährlichen Tribut an den Kaiserhof; „Hetian-Jade“ ist bis heute der Name für diese Herkunft. Jadeit, ein Pyroxen, ist härter, glasiger und kommt aus dem Norden Myanmars; in China wurde er erst in der Qing-Zeit verarbeitet, sein leuchtendes Grün steht heute für teuren Schmuck. Im Chinesischen heißen sie „weiche“ und „harte“ Jade.
Daneben laufen unter dem Wort Jade viele andere Steine mit – Serpentin, Quarze, Marmor –, und der Handel nutzt die Unschärfe. Wer ein Stück einordnen will, fragt nach dem Mineral, nicht nach der Farbe.
Von der Jungsteinzeit bis zur Qing-Zeit
Im Nordosten schnitzte die Hongshan-Kultur Anhänger und C-förmige Drachen; im Jangtse-Delta legte die Liangzhu-Kultur Scheiben und Röhren in die Gräber, bearbeitet mit Sand und Schnur, ohne Metallwerkzeug. Die Ruinen der Liangzhu-Stadt bei Hangzhou sind seit 2019 Welterbe.
Das Zeichen 玉 erscheint auf Orakelknochen der späten Shang-Zeit als Bild aufgereihter Jadestücke an einer Schnur. Jade wird Rangabzeichen, Opfergabe und Grabbeigabe; der Edle trägt sie am Gürtel, damit sie beim Gehen klingt.
Kaiser und Fürsten werden in Anzügen aus Jadeplättchen bestattet, mit Golddraht vernäht, weil Jade den Körper und die Seelen bewahren soll. Die Anzüge aus den Gräbern von Mancheng gehören zu den bekanntesten Funden der chinesischen Archäologie.
Jade wird Sammlerkunst: Pinselbecher, Siegel, Berge in Miniatur, Tiere. Unter Kangxi entstehen die Löwenpaare des Hofes, unter Qianlong erreicht die Schnitzerei in Suzhou und Peking ihren Höhepunkt – und mit dem Jadeit aus Myanmar kommt ein neues Grün nach China.
Die Ritualformen der Frühzeit sind die Scheibe Bi (璧) und die Röhre Cong (琮), außen eckig, innen rund. Neun von zehn bekannten Stücken und die feinsten stammen aus Liangzhu; die Deutung, die Scheibe stehe für den Himmel und die Röhre für die Erde, ist jünger als die Objekte, hat sich aber durchgesetzt. Was die Menschen von Liangzhu selbst damit meinten, weiß niemand – ihre Stadt lag im Jangtse-Delta, mehr als ein Jahrtausend vor der ersten Schrift.
Der Edle und die Jade
Im Buch der Riten (Liji), einem der konfuzianischen Klassiker, erklärt Konfuzius im Kapitel Pinyi, warum der Edle Jade schätzt: nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern weil ihre Eigenschaften den Tugenden gleichen – ihre Wärme der Menschlichkeit, ihre Festigkeit der Klugheit, ihre Kanten, die nicht verletzen, der Rechtschaffenheit, ihr Klang der Musik. Aus diesem Vergleich wurde ein Sprichwort, das bis heute zitiert wird: Der Edle vergleicht seine Tugend mit der Jade. Deshalb tragen Gelehrte Jadeanhänger, deshalb heißt ein guter Ruf „makellos wie Jade“, und deshalb steht 玉 in unzähligen Vornamen. Die Denker, die diesen Kanon prägten, sind unter Philosophie beschrieben.
Jade im deutschsprachigen Raum: sehen und kaufen
Jadeobjekte aus mehreren Jahrtausenden zeigt das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum, das die bedeutendste Sammlung ostasiatischer Kunst in Deutschland verwahrt; in Zürich ist das Museum Rietberg die Adresse für asiatische Kunst, in Wien die Abteilung Asien des MAK. Wer Jade kaufen will, begegnet einem Markt, auf dem Behandlung und Herkunft den Preis bestimmen: Jadeit wird gebleicht, mit Harz gefüllt und gefärbt, Nephrit mit Serpentin verwechselt. Seriöse Händler nennen das Mineral, geben Behandlungen an und legen bei höheren Beträgen das Zertifikat eines gemmologischen Labors bei. Was in China als Glücksbringer verschenkt wird – Anhänger mit Tierkreiszeichen, Scheiben, Armreifen – ist auf der Seite zu den Traditionen eingeordnet.
Häufige Fragen
Zwei verschiedene Minerale, die beide als Jade gelten. Nephrit ist die Jade der chinesischen Geschichte: zäh, seidig glänzend, in Weiß, Grün, Gelb und Braun; die berühmteste Sorte ist die weiße Hetian-Jade aus Khotan. Jadeit ist härter und glasiger, kommt aus Myanmar und wurde in China erst seit dem 18. Jahrhundert verarbeitet; das leuchtende „Kaisergrün“ ist Jadeit. Chinesisch heißen sie ruǎnyù (weiche Jade) und yìngyù (harte Jade).
Weil ihr seit der Jungsteinzeit Bedeutung zugeschrieben wird, die über den Materialwert hinausgeht: Ritualscheiben und -röhren aus Jade lagen in den Gräbern der Liangzhu-Kultur, lange bevor es Bronze gab, und das Buch der Riten vergleicht die Tugenden des Edlen mit den Eigenschaften der Jade – warm, fest, rein, wohlklingend. Gold ist Reichtum, Jade ist Charakter.
Bi (璧) ist eine flache Scheibe mit Loch in der Mitte, Cong (琮) eine Röhre, außen quadratisch, innen rund. Beide Formen stammen aus der Jungsteinzeit und wurden später als Sinnbilder gedeutet: die Scheibe für den Himmel, die Röhre für die Erde. Die feinsten Stücke fanden sich in Liangzhu bei Hangzhou.
Auf die Angabe des Minerals (Nephrit oder Jadeit), auf die Frage, ob der Stein behandelt wurde – Jadeit wird häufig gebleicht, mit Harz gefüllt oder gefärbt – und auf ein Prüfzertifikat eines gemmologischen Labors bei höheren Preisen. Viele als „Jade“ verkaufte Steine sind Serpentin, Quarz oder Glas. Diese Seite gibt keine Preis- oder Anlageempfehlung.
Quellen
Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.
- Wikipedia (deutsch, englisch, chinesisch) (Wikimedia Foundation und Freiwillige; laufend) · Quellenprofil
- Chinese Text Project (中國哲學書電子化計劃) (Donald Sturgeon (Hrsg.), Harvard University; laufend gepflegt) · Quellenprofil
- Welterbeliste – Staat China (UNESCO World Heritage Centre; jährlich nach der Sitzung des Welterbekomitees (Juli)) · Quellenprofil
- Chinese jade – Artikel der englischen Wikipedia mit Einzelnachweisen (Nephrit und Jadeit, Hongshan, Liangzhu, Khotan-Tribut, Orakelknochen-Zeichen 玉, Han-Jadeanzüge, Kangxi)
- Liangzhu culture – Artikel der englischen Wikipedia (Datierung, Bi und Cong, Welterbe 6. Juli 2019)
- Liji, Kapitel Pinyi (聘义) im Chinese Text Project – der Vergleich des Edlen mit der Jade
- Museum für Asiatische Kunst (Berlin) – Artikel der deutschen Wikipedia (Bestände, Humboldt Forum)
Wie CHINANETZ Quellen auswählt und prüft: Recherche und Quellen.
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