Messeteilnahme in China: Ausstellen, Besuchen, Förderung

Was Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor der ersten Messe in China wissen sollten

Eine Messe in China ist für viele mittelständische Unternehmen der erste konkrete Schritt in den Markt – und der erste, bei dem Budget, Zeit und Ruf auf dem Spiel stehen. Die gute Nachricht: Für Firmen aus dem deutschsprachigen Raum gibt es einen eingespielten Weg. Alle drei Länder fördern Gemeinschaftsstände auf ausgewählten chinesischen Messen, Kammern vor Ort helfen mit Kontakten, und die Einreise ist für Kurzbesuche derzeit ohne Visum möglich.

Diese Seite erklärt, wie die Teilnahme organisatorisch funktioniert: als Besucher oder als Aussteller, mit eigenem Stand oder im Gemeinschaftsstand, mit welcher Förderung, welchem Visum und welchem Vorlauf. Termine und Profile einzelner Messen stehen im Messekalender; Umgangsformen und Verhandlungsstil behandelt die Seite zur Geschäftskultur.

Warum eine Messe in China – und warum nicht

Chinesische Fachmessen sind groß, branchenscharf und stark auf Einkäufer ausgerichtet; für Maschinenbau, Medizintechnik, Lebensmittel oder Umwelttechnik versammeln sie in wenigen Tagen mehr Entscheider als eine monatelange Reise. Sie ersetzen aber keinen Vertriebspartner: Kontakte vom Stand tragen nur, wenn danach jemand vor Ort nachfasst – ein eigenes Büro, ein Händler oder ein Dienstleister. Wer diese Frage vor der Anmeldung beantwortet, entscheidet leichter, ob sich ein Stand lohnt oder ob ein Besuch als Einkäufer oder Beobachter der bessere Einstieg ist.

Zwei Wege: Besuchen oder Ausstellen

Als Besucher oder Einkäufer

Die großen Messen registrieren Fachbesucher online und geben ihnen einen Buyer-Ausweis; bei der Canton Fair in Guangzhou ist er für ausländische Einkäufer kostenlos, bei der Importmesse CIIE in Shanghai ist eine Vorregistrierung als Fachbesucher Pflicht. Mit der Registrierung lässt sich in der Regel ein Einladungsschreiben des Veranstalters abrufen, das bei einem Visumantrag verlangt wird. Für einen Aufenthalt bis 30 Tage entfällt das Visum für Deutsche, Österreicher und Schweizer derzeit ganz; die Bedingungen stehen auf der Seite zur visafreien Einreise.

Als Aussteller

Aussteller wählen zwischen eigenem Stand und Gemeinschaftsstand. Der eigene Stand wird direkt beim Veranstalter gemietet; Standbau, Grafik, Logistik, Dolmetscher und Personal organisiert das Unternehmen selbst oder über eine Agentur. Der Gemeinschaftsstand ist ein Komplettpaket: Ein Träger mietet die Fläche, baut den Stand unter einer gemeinsamen Marke, kümmert sich um Anmeldung, Katalog, Zoll und Betreuung und rechnet je Quadratmeter ab.

Eigener StandGemeinschaftsstand
SichtbarkeitEigene Marke, freie GestaltungLänderdach („made in Germany“, Swiss Pavilion, Austria-Stand) zieht Besucher an
AufwandAlles selbst: Standbau, Zoll, Dolmetscher, PersonalTräger übernimmt Organisation; Firma stellt Exponate und Personal
KostenStandmiete plus alle Nebenkosten; volle KontrolleFestpreis je Quadratmeter, teils öffentlich gefördert
Geeignet fürFirmen mit China-Erfahrung und eigener VertretungErste Teilnahmen, kleine und mittlere Unternehmen

Förderprogramme in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Deutschland: Auslandsmesseprogramm des Bundes

Der Bund beteiligt sich seit Jahrzehnten an Gemeinschaftsständen auf Auslandsmessen. Welche Messen in das Programm aufgenommen werden, schlägt der Messeverband AUMA nach wirtschaftlichen Kriterien vor; die Entscheidung trifft das Bundeswirtschaftsministerium, für Land- und Ernährungswirtschaft das Landwirtschaftsministerium. Die Stände laufen unter der Dachmarke „made in Germany“ und richten sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. Die Organisation übernehmen private Durchführungsgesellschaften, bei denen Firmen sich anmelden und die eine Preisliste je Quadratmeter veröffentlichen; der Bund trägt einen Teil der direkten Messekosten. Das Programm für das Folgejahr erscheint im Herbst auf den Seiten des AUMA, chinesische Messen sind darin regelmäßig vertreten.

Österreich: AußenwirtschaftsCenter und go-international

Die Außenwirtschaft Austria der Wirtschaftskammer organisiert Gruppenausstellungen österreichischer Firmen auf Messen in China und begleitet sie über die AußenwirtschaftsCenter in Peking, Shanghai, Guangzhou, Hongkong und Chengdu. Die Internationalisierungsoffensive go-international, ein gemeinsames Programm von Wirtschaftsministerium und Wirtschaftskammer, fördert erste Auslandsmesseauftritte und Marktsondierungen. Standorte und Leistungen der Zentren beschreibt die Seite AußenwirtschaftsCenter in China.

Schweiz: Switzerland Global Enterprise

Die Exportförderung des Bundes organisiert auf ausgewählten Messen SWISS Pavilions, an denen sich Schweizer und Liechtensteiner Firmen zu Paketpreisen beteiligen, und betreibt den Swiss Business Hub China mit Büros in Peking, Shanghai und Guangzhou, der Aussteller vor Ort berät. Für die Einfuhr der Exponate lohnt der Blick auf das Freihandelsabkommen Schweiz–China, dessen Zollvorteile die Handelsbeziehungen-Seite erklärt.

Für alle drei Länder: Auslandshandelskammer Greater China

Die Deutsche Auslandshandelskammer in Peking, Shanghai und Guangzhou organisiert Gemeinschaftsbeteiligungen und Delegationsreisen zu Messen, vermittelt Dolmetscher und Gesprächspartner und steht auch österreichischen und Schweizer Firmen offen. Für Unternehmen, die nach der Messe eine Vertretung suchen, ist sie die erste Adresse für Partnersuche und Marktinformation.

Praktische Vorbereitung

  • Zeitplan: Gemeinschaftsstände schließen die Anmeldung meist ein halbes bis ein Jahr vor der Messe; Exponate per Seefracht brauchen weitere zwei bis drei Monate Vorlauf. Die Rückwärtsrechnung beginnt deshalb ein Jahr vor dem Termin.
  • Visum: Standpersonal reist bei Aufenthalten bis 30 Tage derzeit visafrei ein; wer länger bleibt oder häufig pendelt, beantragt ein Geschäftsvisum (M) mit der Einladung des Veranstalters oder Partners. Die Arrival Card gilt für alle.
  • Zoll für Exponate: China akzeptiert das Carnet ATA für Ausstellungsgüter, die wieder ausgeführt werden; ausgestellt wird es von den Industrie- und Handelskammern in Deutschland, den Wirtschaftskammern in Österreich und den Handelskammern in der Schweiz. Waren, die in China bleiben, werden regulär verzollt – Details bei den Speditionsseiten zu Zoll und Lizenzen.
  • Sprache und Material: Chinesische Einkäufer erwarten Unterlagen und Visitenkarten auf Chinesisch und einen Kontakt über WeChat. Dolmetscher vermitteln Kammern und Durchführungsgesellschaften; wer Preise nennt, sollte Incoterms und Währung festlegen.
  • Bezahlen vor Ort: Taxi, Essen und Kleinbeträge laufen über Alipay oder WeChat Pay, die sich mit einer ausländischen Kreditkarte verknüpfen lassen; Bargeld wird seltener angenommen. Praktische Hinweise auf der Reise-Seite.

Welche Messen sich eignen

Zwei Veranstaltungen decken fast jede Branche ab: die Canton Fair in Guangzhou, die zweimal im Jahr in drei Phasen Exportwaren aus ganz China zeigt und für Einkäufer gedacht ist, und die China International Import Expo (CIIE) in Shanghai, die umgekehrt ausländischen Anbietern eine Bühne für den chinesischen Markt bietet. Für den gezielten Auftritt sind Fachmessen meist wirksamer; der Messekalender ordnet sie nach Maschinenbau, Medizintechnik, Lebensmittel und weiteren Branchen. Ob eine Messe im deutschen Auslandsmesseprogramm oder in einem österreichischen oder Schweizer Gemeinschaftsstand vertreten ist, zeigen die Programme der Förderer für das jeweilige Jahr.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Einladungsschreiben?

Für einen Besuch bis 30 Tage derzeit nicht, weil Deutsche, Österreicher und Schweizer visafrei einreisen. Für ein Geschäftsvisum verlangt das Visazentrum eine Einladung; große Messen stellen sie registrierten Fachbesuchern über ihr Portal aus, sonst der chinesische Geschäftspartner.

Was kostet ein Gemeinschaftsstand ungefähr?

Die Durchführungsgesellschaften veröffentlichen je Messe eine Preisliste pro Quadratmeter, die Standbau, Grundausstattung und Betreuung enthält; beim deutschen Programm trägt der Bund einen Teil der direkten Kosten. Weil die Sätze je Messe und Jahr verschieden sind, nennt CHINANETZ keine Pauschalbeträge – die aktuellen Bedingungen stehen in den Beteiligungsunterlagen.

Wie lange vorher sollte ich mich anmelden?

Für Gemeinschaftsstände ein halbes bis ein Jahr vor der Messe; die Förderprogramme erscheinen für das Folgejahr im Herbst. Wer Exponate verschifft, rechnet weitere zwei bis drei Monate.

Kann ich meine Exponate nach der Messe in China verkaufen?

Mit Carnet ATA eingeführte Waren müssen wieder ausgeführt werden. Was in China bleibt, wird nachträglich verzollt und braucht die für die Warengruppe nötigen Zulassungen – bei Maschinen und Lebensmitteln ist das vorab zu klären.

Quellen

Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.

Wie CHINANETZ Quellen auswählt und prüft: Recherche und Quellen.