Ang Lee
李安 (Lǐ Ān)
Ang Lee (geb. 1954) gewann zweimal den Goldenen Bären der Berlinale und zweimal den Regie-Oscar – als erster Regisseur aus Asien. „Tiger and Dragon“ (2000) brachte den chinesischen Kampfkunstfilm ins Weltkino und erhielt vier Oscars; „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“ folgten.
Zwischen Taiwan und New York
Ang Lee wurde 1954 im Süden Taiwans als Sohn eines Schulleiters geboren, der ihn lieber als Professor gesehen hätte. Nach der Theaterakademie in Taipeh studierte er Theater in Illinois und Film an der New York University, wo er 1985 seinen Abschluss machte – mit einem Kurzfilm, an dem Spike Lee mitarbeitete. Es folgten sechs Jahre ohne Auftrag, in denen seine Frau, eine Mikrobiologin, die Familie ernährte und Lee Drehbücher schrieb.
Die Vater-Trilogie und zwei Goldene Bären
Drei Filme über Väter, Familien und Küche machten ihn bekannt: „Schiebende Hände“ (1991) über einen Tai-Chi-Meister in New York, „Das Hochzeitsbankett“ (1993) über einen schwulen Taiwaner, der für seine Eltern eine Scheinehe inszeniert, und „Eat Drink Man Woman“ (1994) über einen Meisterkoch in Taipeh. „Das Hochzeitsbankett“ gewann 1993 den Goldenen Bären der Berlinale; 1996 folgte der zweite für die Jane-Austen-Verfilmung „Sinn und Sinnlichkeit“ – Lee war der erste Regisseur, der den Preis zweimal erhielt.
Tiger and Dragon, Brokeback Mountain, Life of Pi
„Tiger and Dragon“ (2000), ein Wuxia-Film auf Mandarin mit Chow Yun-fat, Michelle Yeoh und Zhang Ziyi, wurde der erfolgreichste nicht-englischsprachige Film in den USA und gewann vier Oscars, darunter den für den besten fremdsprachigen Film. Für „Brokeback Mountain“ (2005), die Geschichte zweier Cowboys, erhielt Lee 2006 den Oscar für die beste Regie, nach dem Goldenen Löwen in Venedig; „Gefahr und Begierde“ (2007) brachte einen zweiten Goldenen Löwen, „Life of Pi“ (2012) den zweiten Regie-Oscar. Kein anderer Regisseur wechselt so selbstverständlich zwischen Sprachen, Genres und Kontinenten.
Ang Lee im deutschsprachigen Raum
Die Berlinale hat Ang Lees Karriere begleitet wie kein anderes Festival: zwei Goldene Bären in drei Jahren und seither regelmäßige Gastspiele. „Tiger and Dragon“ gehört zu den meistgesehenen chinesischsprachigen Filmen in deutschen, österreichischen und Schweizer Kinos; „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“ liefen als Mainstream-Produktionen. In der Filmwissenschaft gilt Lee als Beispiel dafür, wie chinesische Erzähltraditionen – Familienpflicht, Zurückhaltung, das Ungesagte – im Weltkino funktionieren.
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