Jia Zhangke

贾樟柯 (Jiǎ Zhāngkē)

RegisseurDrehbuchautorProduzent
Geboren:24.05.1970Fenyang, Shanxi, China
Nationalität:Chinesisch

Jia Zhangke (geb. 1970) ist der wichtigste Regisseur der Sechsten Generation: Seine Filme über Kleinstädte, Wanderarbeiter und den Umbruch des Alltags gewannen 2006 mit „Still Life“ den Goldenen Löwen von Venedig. Entdeckt wurde er 1998 auf der Berlinale.

Fenyang: die Kleinstadt als Bühne

Jia Zhangke wuchs in Fenyang auf, einer Kreisstadt in der Kohleprovinz Shanxi, die er später zum Schauplatz fast aller seiner Filme machte. Er begann als Maler, entdeckte im Kino Chen Kaiges „Gelbe Erde“ und studierte ab 1993 an der Filmakademie Peking Literatur, wo er eine Gruppe für experimentellen Film gründete. Sein erster langer Film „Xiao Wu“ (1997) über einen Taschendieb in Fenyang entstand ohne Genehmigung, mit Laien und wenig Geld.

Von der Berlinale nach Venedig

„Xiao Wu“ lief 1998 im Forum der Berlinale und gewann dort den Wolfgang-Staudte-Preis und den NETPAC-Preis – die erste internationale Anerkennung. „Platform“ (2000), über eine Propagandatheatergruppe, die in den 1980er-Jahren zur Popband wird, und „Unknown Pleasures“ (2002) vollendeten eine Trilogie über die Provinz im Wandel. Mit „The World“ (2004), gedreht in einem Pekinger Vergnügungspark mit Nachbauten der Weltwunder, arbeitete er erstmals mit staatlicher Genehmigung; „Still Life“ (2006) über zwei Menschen, die am Drei-Schluchten-Staudamm ihre Vergangenheit suchen, gewann überraschend den Goldenen Löwen.

Realismus, Genre, Gedächtnis

Jias Stil verbindet lange dokumentarische Einstellungen mit Laiendarstellern und seiner Frau Zhao Tao als Hauptdarstellerin; digitale Kameras nutzte er früher als die meisten. „A Touch of Sin“ (2013), vier Episoden nach Zeitungsmeldungen über Gewalt, gewann in Cannes den Drehbuchpreis; „Mountains May Depart“ (2015) und „Asche ist reines Weiß“ (2018) spannen einzelne Biografien über Jahrzehnte. Mit „Caught by the Tides“ (2024) montierte er Material aus über zwanzig Jahren zu einem einzigen Film. 2017 gründete er in Pingyao ein internationales Filmfestival.

Jia Zhangke im deutschsprachigen Raum

Die Berlinale hat Jia entdeckt, und das Forum blieb seine deutschsprachige Heimat: Fast jeder seiner Filme lief dort oder in Retrospektiven, mehrere kamen in den Programmkino-Verleih. Für die Filmwissenschaft im deutschsprachigen Raum ist er der Regisseur, an dem sich das chinesische Independent-Kino der 1990er- und 2000er-Jahre erklären lässt; seine Filme werden in Sinologie- und Filmseminaren als Quellen zum Alltag gezeigt.