Han Fei
韩非 (Hán Fēi)
Han Fei (um 280–233 v. Chr.), ein Prinz des Staates Han und Schüler des Konfuzianers Xunzi, fasste die Lehren der Legalisten zu einem System zusammen: Gesetze, die für alle gelten und öffentlich bekannt sind; Methoden, mit denen der Herrscher seine Beamten prüft und kontrolliert; und die Machtposition, auf der beides ruht. Der Mensch sei eigennützig, Tugend als Regierungsprinzip eine Illusion — Belohnung und Strafe seien die ‚zwei Griffe‘ des Herrschers. Der König von Qin, der spätere Erste Kaiser, bewunderte seine Schriften und ließ ihn nach einer Intrige seines Studienfreunds Li Si im Gefängnis sterben. Qin regierte nach seinem Buch.
Leben und Tod
Als Angehöriger des Königshauses von Han, das zwischen den Großmächten zerrieben wurde, richtete Han Fei Denkschriften an seinen König, die unbeachtet blieben; er stotterte und wich aufs Schreiben aus. Seine Aufsätze gelangten nach Qin, wo König Zheng gesagt haben soll, er könne sterben, ohne zu bereuen, wenn er diesen Mann träfe. 233 v. Chr. kam Han Fei als Gesandter nach Qin. Li Si, der Kanzler, ebenfalls Schüler des Xunzi, fürchtete den Rivalen und erwirkte seine Verhaftung; im Kerker erhielt Han Fei Gift. Zwölf Jahre später einte Qin das Reich nach den Grundsätzen, die er beschrieben hatte.
Das Buch Han Feizi
55 Kapitel, darunter die berühmten ‚Schwierigkeiten des Überzeugens‘ und ‚Die einsame Empörung‘. Han Fei verband drei ältere Stränge: Shang Yangs Gesetz (fa), Shen Buhais Verwaltungsmethoden (shu) und Shen Daos Machtposition (shi). Der Herrscher soll sich nicht auf Verwandte, Günstlinge oder Tugendhafte verlassen, sondern auf ein System, das jeden Beamten am Vergleich von Auftrag und Ergebnis misst. Die Gleichnisse — der Bauer, der auf den nächsten Hasen wartet, der sich am Baumstumpf das Genick bricht; der Mann, der Speer und Schild als jeweils unübertrefflich anpreist — sind bis heute chinesische Redewendungen.
Das Erbe: verfemt und angewendet
Der rasche Fall der Qin diskreditierte den Legalismus, und die Han-Kaiser machten den Konfuzianismus zur Staatslehre. Tatsächlich regierte das Kaiserreich zwei Jahrtausende nach einer Mischung, die man ‚außen konfuzianisch, innen legalistisch‘ nannte: moralische Rhetorik, harte Gesetze, Leistungskontrolle der Beamten. Im 20. Jahrhundert lasen Reformer und Revolutionäre Han Fei als Realisten; die Kampagne ‚Kritisiere Lin Biao, kritisiere Konfuzius‘ von 1974 stellte die Legalisten offiziell über die Konfuzianer. Heute gilt er als Chinas Machiavelli — mit dem Unterschied, dass er ein System beschrieb, das tatsächlich errichtet wurde.
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