Konfuzius
孔子 (Kǒng Zǐ)
Konfuzius (551–479 v. Chr.), mit Familiennamen Kong, Rufname Qiu, war Lehrer und zeitweise Beamter im Staat Lu. Er hinterließ keine eigene Schrift; seine Schüler sammelten Gespräche und Aussprüche im Lunyu. Aus dieser losen Sammlung wurde die einflussreichste Lehre Ostasiens: Menschlichkeit (仁), rituelle Angemessenheit (礼), kindliche Pietät und das Ideal des durch Bildung veredelten Menschen. Zu Lebzeiten scheiterte er als Politiker; nach seinem Tod wurde er zum Lehrer aller Zeiten. Der lateinische Name geht auf die Jesuiten des 17. Jahrhunderts zurück, die ihn Europa vorstellten.
Herkunft und Aufstieg in Lu
Konfuzius wurde 551 v. Chr. in Zou im Kleinstaat Lu geboren, in eine verarmte Familie niederen Adels; der Vater starb früh. Er arbeitete als Kornverwalter und Viehaufseher, lernte die Riten der Zhou-Zeit und begann, Schüler um sich zu sammeln — Söhne aus allen Ständen, nicht nur des Adels, was damals ungewöhnlich war. Um das fünfzigste Lebensjahr stieg er in Lu zum Justizminister auf, verlor die Stellung aber nach wenigen Jahren im Streit mit den herrschenden Familien.
Die Wanderjahre
Vierzehn Jahre lang zog Konfuzius mit seinen Schülern von Hof zu Hof — nach Wei, Song, Chen, Cai und Chu — auf der Suche nach einem Fürsten, der seine Vorstellung tugendhafter Herrschaft umsetzen würde. Keiner tat es. Die Überlieferung erzählt von Hunger, Gefahr und Spott; das Lunyu bewahrt seine Gelassenheit dabei: Wer andere nicht kennt, sei kein Anlass zur Sorge, sondern dass man selbst andere nicht kenne. 484 v. Chr. kehrte er nach Lu zurück und unterrichtete bis zu seinem Tod 479 v. Chr.
Das Lunyu und die Lehre
Konfuzius hat nichts Eigenes geschrieben; das Lunyu (Gespräche) stellten Schüler und Schülersschüler in den Jahrzehnten nach seinem Tod zusammen. Kernbegriffe sind Ren, die Menschlichkeit als Grundhaltung gegenüber anderen; Li, die Riten als Form, in der Menschlichkeit sichtbar wird; Xiao, die Pietät gegenüber den Eltern als Wurzel aller Ordnung; und Junzi, der Edle — nicht durch Geburt, sondern durch Bildung und Charakter. Die Lehre selbst und ihre Begriffe sind auf der Seite Konfuzius im Silo Philosophie ausführlich dargestellt.
Nachleben: vom Lehrer zum Staatskult
Menzius und Xunzi entwickelten die Lehre weiter; unter Kaiser Wu der Han wurde sie im 2. Jahrhundert v. Chr. Staatsdoktrin und Prüfungsstoff. Zhu Xi ordnete sie in der Song-Zeit zum Neokonfuzianismus, der bis zur Abschaffung der Beamtenprüfung 1905 das Denken Chinas, Koreas, Japans und Vietnams bestimmte. Im 20. Jahrhundert wurde Konfuzius zur Zielscheibe der Modernisierer und der Kulturrevolution — und seit den 1980er-Jahren wieder zum Symbol nationaler Kultur, bis hin zu den Konfuzius-Instituten, die seinen Namen im deutschsprachigen Raum tragen.
Konfuzius im deutschsprachigen Raum
Die erste vollständige lateinische Übersetzung des Lunyu erschien 1687 in Paris; Leibniz und Christian Wolff lasen sie und sahen in China eine Vernunftmoral ohne Offenbarung — Wolff verlor 1723 wegen seiner Rede über die praktische Philosophie der Chinesen die Hallenser Professur. Die deutsche Standardübersetzung stammt von Richard Wilhelm (1910), Missionar in Tsingtau; neuere Übertragungen legten Ralf Moritz und Hans van Ess vor. Der Familientempel und der Friedhof der Kong in Qufu sind UNESCO-Welterbe; die Nachkommen der Familie zählen bis heute über achtzig Generationen.
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