Sunzi (Sun Tzu)
孙子 (Sūnzǐ)
Sun Wu, genannt Sunzi (traditionell um 544–496 v. Chr.), gilt als Verfasser der ‚Kunst des Krieges‘, des ältesten und meistgelesenen Strategietraktats der Welt. Sima Qian berichtet, er habe als General des Staates Wu gedient und dem König seine Methode vorgeführt, indem er dessen Palastdamen zu einer Truppe drillte — und die beiden Lieblingskonkubinen hinrichten ließ, als sie kicherten. Ob es ihn gab, ist umstritten; der Text ist es nicht: Dreizehn Kapitel darüber, wie man gewinnt, ohne zu kämpfen, gelesen von Feldherren, Managern und Fußballtrainern.
Das Buch
Die ‚Kunst des Krieges‘ (Sunzi Bingfa) ist knapp — rund sechstausend Zeichen in dreizehn Kapiteln: Planung, Kriegführung, Angriffsstrategie, Formation, Kraft, Schwäche und Stärke, Manöver, Varianten, Marsch, Gelände, die neun Geländearten, Feuerangriff, Spione. Der berühmteste Satz steht im dritten Kapitel: Die höchste Kunst des Krieges sei, den Feind ohne Kampf zu unterwerfen. Krieg sei Täuschung; wer sich selbst und den Gegner kenne, brauche hundert Schlachten nicht zu fürchten. 1972 fanden Archäologen in Yinqueshan eine Bambusfassung aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., die den überlieferten Text im Wesentlichen bestätigte.
Der Autor
Die Forschung datiert den Text eher in die Zeit der Streitenden Reiche (4. Jahrhundert v. Chr.), als Massenheere und Eisenwaffen die Kriegführung veränderten — später als der überlieferte General Sun Wu. Ein zweiter Sunzi, Sun Bin, ein Nachkomme, schrieb im 4. Jahrhundert v. Chr. ein eigenes Werk, das in Yinqueshan ebenfalls wieder auftauchte. Die Person hinter dem Buch bleibt eine Zuschreibung; das Denken darin ist einheitlich genug, um von einem Autor zu sprechen.
Wirkung von Cao Cao bis zum Management
Cao Cao, der Kriegsherr der Drei-Reiche-Zeit, schrieb den ältesten erhaltenen Kommentar; die ‚Sieben militärischen Klassiker‘ der Song-Zeit stellten Sunzi an die Spitze des Prüfungsstoffs für Offiziere. Über Japan — wo Takeda Shingen die Fahne ‚Wind, Wald, Feuer, Berg‘ nach Sunzi führte — und die erste französische Übersetzung des Jesuiten Amiot 1772 kam der Text nach Europa. Im 20. Jahrhundert las ihn Mao Zedong, die US-Armee nahm ihn in den Lehrplan, und seit den 1980er-Jahren erscheint er als Ratgeber für Verhandlung, Wettbewerb und Führung — meist auf Kosten des Kontexts.
Sunzi auf Deutsch
Die erste deutsche Übersetzung erschien 1910 von Bruno Navarra in Berlin; heute liegen Dutzende Ausgaben vor, von der wissenschaftlichen Übertragung Volker Klöpschs (2009) bis zu Geschenkausgaben in Leinen. Wer den Text als das lesen will, was er ist — ein Handbuch über Aufklärung, Logistik und das Vermeiden unnötiger Schlachten —, greift zu einer kommentierten Ausgabe.
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