Mozi
墨子 (Mòzǐ)
Mo Di, genannt Mozi (um 470–391 v. Chr.), war der erste ernsthafte Gegner des Konfuzianismus und Gründer einer Schule, die für zwei Jahrhunderte mit ihm um den Vorrang stritt. Seine Lehre der ‚allumfassenden Liebe‘ — jeden Menschen so zu behandeln wie die eigene Familie — verband er mit dem Nutzen als Maßstab, der Ablehnung von Angriffskriegen, aufwendigen Ritualen und Musik, und mit einem streng organisierten Orden, dessen Mitglieder belagerte Städte verteidigten. Nach der Reichseinigung verschwand die Schule; ihre Logik und Verteidigungstechnik überlebten im Buch Mozi.
Der Handwerker unter den Philosophen
Anders als Konfuzius stammte Mozi aus dem Handwerk — der Name Mo, ‚Tusche‘, wird mit der Schnur der Zimmerleute oder mit Brandmarkung erklärt. Er soll zunächst konfuzianisch geschult gewesen sein und sich abgewandt haben, weil ihm Riten, Musik und dreijährige Trauer als Verschwendung erschienen. Seine Anhänger, die Mohisten, lebten in Gemeinschaften unter einem ‚Großmeister‘, verdingten sich als Ingenieure und Verteidiger und zogen los, wenn eine Stadt belagert wurde. Die Überlieferung erzählt, wie Mozi zehn Tage nach Chu lief, um einen Angriff auf Song zu verhindern — und im Sandkastenspiel gegen den Baumeister Gongshu Ban alle neun Angriffe abwehrte.
Die Lehre
Zehn Thesen tragen das System: allumfassende Liebe statt abgestufter Zuneigung; Ablehnung des Angriffskriegs; Sparsamkeit im Verbrauch und bei Begräbnissen; Ablehnung der Musik als Luxus der Oberschicht; Ehrung der Fähigen ohne Rücksicht auf Herkunft; Anpassung an die Obrigkeit zur Vermeidung von Chaos; der Wille des Himmels als Maßstab; die Existenz von Geistern als Sanktion; die Ablehnung des Fatalismus. Die späteren Mohisten entwickelten daraus die erste chinesische Logik und Wissenschaftstheorie — mit Definitionen, Kausalität und einer Camera-obscura-Beschreibung, die zu den frühesten der Welt gehört.
Verschwinden und Wiederentdeckung
Mengzi nannte Mozis Liebe ohne Abstufung ‚vaterlos‘, Xunzi verwarf seinen Nützlichkeitsmaßstab; unter den Han verlor die Schule ihre Grundlage, als die Konfuzianer den Staat bekamen und die Kriegerorden verboten wurden. Zwei Jahrtausende lang las kaum jemand das Buch. Erst die Gelehrten der Qing-Zeit stellten den Text wieder her, und im 20. Jahrhundert entdeckten Reformer in Mozi den Vertreter von Logik, Gleichheit und Wissenschaft, den sie in der eigenen Tradition gesucht hatten. Chinas erster Quantenkommunikationssatellit trägt seit 2016 seinen Namen.
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