Mengzi (Menzius)
孟子 (Mèngzǐ)
Meng Ke, genannt Mengzi oder latinisiert Menzius (um 372–289 v. Chr.), ist nach Konfuzius der ‚zweite Weise‘ des Konfuzianismus. Seine These, dass der Mensch von Natur aus gut sei, wurde zur Grundlage der orthodoxen Lehre; seine Aussage, dass ein Herrscher, der sein Volk quält, kein Herrscher mehr sei und abgesetzt werden dürfe, machte ihn zum unbequemsten Klassiker der Kaiserzeit. Das Buch Mengzi gehört seit der Song-Zeit zu den Vier Büchern, die jeder Prüfungskandidat auswendig kannte.
Leben
Mengzi wuchs in Zou auf, wenige Kilometer von Konfuzius' Heimat Qufu entfernt; die Legende von der Mutter, die dreimal umzog, um dem Sohn eine gute Umgebung zu geben, ist bis heute Schulstoff. Er lernte in der Tradition von Konfuzius' Enkel Zisi und reiste wie sein Vorbild jahrzehntelang zu den Höfen — nach Qi, Liang (Wei), Song, Teng — als Berater, dessen Rat die Fürsten anhörten und nicht befolgten. Anders als Konfuzius wurde er dabei reich und geehrt. Im Alter zog er sich zurück und stellte mit Schülern das Buch Mengzi zusammen.
Die Lehre
Der Mensch ist von Natur aus gut: Wer ein Kind in einen Brunnen fallen sieht, empfindet Schrecken und Mitleid, ohne nachzudenken. Aus vier solchen ‚Keimen‘ — Mitgefühl, Scham, Bescheidenheit, Unterscheidung von Recht und Unrecht — wachsen die vier Tugenden Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Ritus und Weisheit, wenn man sie pflegt wie ein Bauer sein Feld. Politisch folgt daraus die Pflicht des Herrschers, das Volk zu ernähren und zu bilden; das Volk sei das Wichtigste, die Altäre des Staates das Zweite, der Herrscher das Geringste. Wer das Mandat des Himmels verwirkt, verliert den Anspruch auf Gehorsam.
Der Streit mit Xunzi und die spätere Orthodoxie
Xunzi, eine Generation jünger, hielt dagegen: Der Mensch sei von Natur aus eigennützig und werde erst durch Erziehung und Riten gut. Die Kaiserzeit entschied sich für Mengzi — Zhu Xi erhob das Buch Mengzi 1190 in den Kanon der Vier Bücher, und der erste Ming-Kaiser ließ die Passagen über das Absetzen von Tyrannen aus den Prüfungsausgaben streichen, weil sie ihm zu weit gingen. Im 20. Jahrhundert beriefen sich Reformer und Demokraten auf Mengzis Volksbegriff; die Debatte, ob er ein früher Demokrat war, dauert an.
Mengzi auf Deutsch
Richard Wilhelm übersetzte das Buch 1916 als ‚Mong Dsï‘; die maßgebliche neuere Fassung stammt von Wolfgang Bauer (2012 aus dem Nachlass herausgegeben) — Bauer hatte den Text jahrzehntelang an der Universität München gelehrt. Für Leser, die Konfuzius kennen und wissen wollen, wie aus Aussprüchen eine Argumentation wurde, ist Mengzi der nächste Schritt.
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