Zhuangzi

庄子 (Zhuāngzǐ)

PhilosophErzähler
Nationalität:China (Zeit der Streitenden Reiche)

Zhuang Zhou, genannt Zhuangzi (um 369–286 v. Chr.), ist der zweite große Denker des Daoismus und der erste große Erzähler der chinesischen Philosophie. Das nach ihm benannte Buch — dessen ‚innere Kapitel‘ als sein Werk gelten — arbeitet mit Gleichnissen, Witz und Paradoxen statt mit Lehrsätzen: der Schmetterlingstraum, der Koch, dessen Messer nie stumpf wird, der Frosch im Brunnen, die Freude der Fische. Wo Laozi den Herrscher anspricht, spricht Zhuangzi den Einzelnen an: Wie lebt man frei in einer Welt, die man nicht ändern kann?

Der Mann, der das Amt ablehnte

Über sein Leben weiß man wenig: ein kleiner Beamter in einer Lackbaumplantage, verheiratet, arm, Freund und Streitpartner des Logikers Hui Shi. Die bekannteste Anekdote erzählt, wie Gesandte des Königs von Chu ihm das Kanzleramt anbieten. Zhuangzi, beim Angeln, fragt, ob die heilige Schildkröte im Ahnentempel lieber als vergoldeter Panzer verehrt würde oder lebend mit dem Schwanz im Schlamm schlüge. Die Gesandten geben die erwartete Antwort, und er schickt sie fort: Auch er wolle mit dem Schwanz im Schlamm schlagen.

Das Buch Zhuangzi

33 Kapitel, davon sieben ‚innere‘, die als authentisch gelten, und 26 ‚äußere‘ und ‚vermischte‘ aus seiner Schule. Die Themen: die Relativität aller Standpunkte — der große Vogel Peng und die Zikade, die über ihn lacht; die Gleichheit der Dinge; die Nutzlosigkeit als Überlebensstrategie — der krumme Baum, den kein Zimmermann fällt; der Tod als Wandlung, über den Zhuangzi nach dem Tod seiner Frau singend auf einer Schale trommelt. Der Stil hat die chinesische Prosa geprägt wie kein zweiter Text.

Wirkung

Der Chan-Buddhismus, der spätere Zen, übernahm von Zhuangzi die Paradoxie und das Misstrauen gegen Worte; die Literatenmalerei der Song- und Yuan-Zeit das Ideal der absichtslosen Natürlichkeit; die Dichter Tao Yuanming und Li Bai die Freiheit des Rückzugs. In China wird Zhuangzi bis heute gelesen, wenn Konfuzius zu eng wird — als Gegengewicht, nicht als Ersatz.

Zhuangzi auf Deutsch

Martin Buber gab 1910 ‚Reden und Gleichnisse des Tschuang-Tse‘ heraus, Richard Wilhelm übersetzte 1912 ‚Das wahre Buch vom südlichen Blütenland‘ — beide Fassungen sind bis heute im Druck. Viktor Kalinke legte 2017 die erste vollständige, kommentierte deutsche Übersetzung mit chinesischem Text vor. Im deutschsprachigen Raum ist Zhuangzi der meistzitierte chinesische Philosoph nach Konfuzius und Laozi — vor allem der Schmetterlingstraum: Träumte Zhuang Zhou, ein Schmetterling zu sein, oder träumt ein Schmetterling, Zhuang Zhou zu sein?