
Cixin Liu
刘慈欣 (Liú Cíxīn)
Cixin Liu (geb. 1963) machte die chinesische Science-Fiction weltweit sichtbar: Sein Roman „Die drei Sonnen“ gewann 2015 als erstes übersetztes Werk den Hugo Award, die Trisolaris-Trilogie wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und 2024 von Netflix verfilmt. Bis 2010 schrieb er neben seiner Arbeit als Ingenieur in einem Kraftwerk.
Bildnachweis: ©Li Yibo
Ingenieur im Kraftwerk
Liu Cixin wurde 1963 in Peking geboren und wuchs in Yangquan in der Kohleprovinz Shanxi auf, wohin seine Eltern versetzt worden waren. Er studierte Wasserbau und Kraftwerkstechnik an der Hochschule für Wasserwirtschaft in Nordchina und arbeitete danach über zwanzig Jahre als Computeringenieur im Kraftwerk Niangziguan bei Yangquan. Geschrieben hat er nach Feierabend; erst als das Werk 2010 stillgelegt wurde, wurde aus dem Nebenberuf der Hauptberuf.
Von Kurzgeschichten zur Trilogie
Seit Ende der 1990er-Jahre veröffentlichte Liu Kurzgeschichten in der Zeitschrift „Kehuan Shijie“ (Science-Fiction-Welt), darunter „Die wandernde Erde“, die 2019 zum erfolgreichsten chinesischen Kinofilm seiner Zeit wurde. 2006 erschien dort in Fortsetzungen „Die drei Sonnen“ (三体, Sāntǐ), der erste Band einer Trilogie über den Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation, deren Heimat um drei Sonnen kreist. Die Fortsetzungen „Der dunkle Wald“ und „Jenseits der Zeit“ folgten 2008 und 2010. Lius Markenzeichen ist die Verbindung harter Physik mit Fragen nach Vertrauen, Abschreckung und dem Überleben der Gattung – die „Dunkle-Wald-Theorie“ des zweiten Bandes wird bis heute in Debatten über außerirdisches Leben zitiert.
Hugo Award und weltweiter Erfolg
Den Durchbruch außerhalb Chinas brachte die englische Übersetzung des amerikanisch-chinesischen Autors Ken Liu: 2015 erhielt „The Three-Body Problem“ als erster übersetzter Roman den Hugo Award für den besten Roman, den wichtigsten Preis der Science-Fiction. Barack Obama nannte das Buch als Lektüre, Netflix verfilmte die Trilogie 2024 als Serie „3 Body Problem“; in China entstand parallel eine eigene Serie. Liu gilt seither als bekanntester chinesischer Gegenwartsautor nach Mo Yan – mit dem Unterschied, dass sein Publikum vor allem außerhalb des Literaturbetriebs sitzt.
Auf Deutsch
„Die drei Sonnen“ erschien im Dezember 2016 bei Heyne in der Übersetzung von Martina Hasse, direkt aus dem Chinesischen; die Bände „Der dunkle Wald“ (2018) und „Jenseits der Zeit“ (2019) übersetzte Karin Betz, die für den zweiten Band 2019 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert war. Kurzgeschichten liegen als „Die wandernde Erde“ und „Spiegel“ vor. Im deutschsprachigen Raum ist Liu der meistverkaufte chinesische Autor der letzten Jahre; die Bücher stellt der Shop dieser Site vor.
Werk und Sicht
Liu nennt Arthur C. Clarke als Vorbild und versteht Science-Fiction als Literatur der großen Maßstäbe: Zeiträume von Jahrmillionen, Distanzen von Lichtjahren, Zivilisationen als Akteure. Kritiker werfen ihm blasse Figuren vor, Leser schätzen genau die Kälte des Blicks, mit der er Menschheit und Kosmos gegeneinanderstellt. Seine Erzählungen „Der Berg“ und „Kugelblitz“ zeigen den Ingenieur, der Physik ernst nimmt, ohne sie zu erklären.
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