Li Bai
李白
Einer der größten Dichter der Tang-Zeit. Seine bildreiche Lyrik verbindet Natur, Freundschaft und philosophische Leichtigkeit – Meilensteine der chinesischen Poesie.
Herkunft und Wanderjahre
Wo Li Bai geboren wurde, ist nicht sicher; genannt werden Orte in Gansu ebenso wie Suyab in Zentralasien. Als er etwa fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Jiangyou in Sichuan. Dort wuchs er auf, las früh die Klassiker, übte sich im Schwertkampf und suchte den Kontakt zu daoistischen Einsiedlern. Mit Mitte zwanzig verließ er Sichuan und reiste jahrelang durch das Reich, knüpfte Freundschaften und machte sich mit Gedichten einen Namen.
Am Hof in Chang'an
742 kam Li Bai in die Tang-Hauptstadt Chang'an und erhielt eine Stellung an der Hanlin-Akademie, wo er für den Hof dichtete. Nach rund zwei Jahren musste er den Dienst verlassen; die Gründe sind nicht eindeutig überliefert, Anekdoten sprechen von Hofintrigen. 744 und im folgenden Jahr traf er Du Fu, den anderen großen Dichter der Epoche. Aus der Begegnung wurde eine der berühmtesten Dichterfreundschaften Chinas, festgehalten vor allem in Du Fus Gedichten an Li Bai.
Späte Jahre und Legende
Während des An-Lushan-Aufstands geriet Li Bai in das Gefolge eines Prinzen, der später als Aufrührer galt. Er wurde 757 nach Yelang verbannt, durfte aber 759 vorzeitig zurückkehren. 762 starb er in Dangtu. Die Legende, er sei betrunken ertrunken, als er das Spiegelbild des Mondes im Fluss umarmen wollte, passt so gut zu seinen Gedichten, dass sie bis heute erzählt wird – belegt ist sie nicht.
Werk und Wirkung im deutschsprachigen Raum
Li Bai werden etwa tausend Gedichte zugeschrieben: Trinklieder, Abschiedsgedichte, Naturbilder und kurze Vierzeiler wie ‚Gedanken in stiller Nacht‘, das in China fast jedes Kind auswendig kann. Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem über Nachdichtungen bekannt. Gustav Mahler vertonte in ‚Das Lied von der Erde‘ mehrere Gedichte nach Hans Bethges Fassungen; später legten unter anderem Klabund und Günter Eich eigene Übertragungen vor.
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