Du Fu
杜甫 (Dù Fǔ)
Du Fu (712–770) ist für die chinesische Tradition der „Dichter-Heilige“: Kein anderer Lyriker hat Krieg, Hunger und Exil so genau beschrieben und dabei die strengen Formen der Tang-Dichtung so vollendet beherrscht. Rund 1.400 Gedichte sind überliefert; zu Lebzeiten kannte ihn kaum jemand.
Ein Leben ohne Amt
Du Fu stammte aus einer Beamtenfamilie mit literarischer Tradition; sein Großvater Du Shenyan war selbst Dichter. Die Beamtenprüfung, die ihm eine Laufbahn eröffnet hätte, bestand er nicht, und die Jahre in der Hauptstadt Chang'an vergingen mit Bittgesuchen um eine Anstellung. 744 lernte er Li Bai kennen, den bereits berühmten Dichter, elf Jahre älter als er; die Freundschaft dauerte nur kurz, die Gedichte, die Du Fu ihm widmete, ein Leben lang.
Der Aufstand und die Flucht
755 erhob sich der General An Lushan gegen den Kaiser, Chang'an fiel, der Hof floh nach Sichuan. Du Fu geriet in Gefangenschaft, entkam, diente kurz am Exilhof und verlor das Amt wieder. In den Wirren hungerte seine Familie; ein Sohn starb. Aus diesen Jahren stammen die Gedichte, die ihn berühmt machten: „Frühlingsblick“ über die verwüstete Hauptstadt, die Zyklen über Rekrutierungsbeamte und Soldatenwitwen, das Lied vom zerfetzten Strohdach. Die Formel, das Land bleibe, während der Staat zerbricht, gehört zu den meistzitierten Versen der chinesischen Literatur.
Chengdu und die letzten Jahre
759 fand Du Fu in Chengdu Ruhe. Freunde halfen ihm, am Stadtrand eine Strohhütte zu bauen; die Jahre dort sind seine produktivsten, die Gedichte heller, voller Alltag, Regen und Nachbarn. Die rekonstruierte Hütte ist heute Museum und Wallfahrtsort. Nach dem Tod seines Gönners zog er den Jangtse hinab, lebte in Kuizhou an den Schluchten und starb 770 auf einem Boot in Hunan, unterwegs in eine Heimat, die er nicht mehr erreichte.
Der Dichter-Heilige
Erst die Song-Zeit erhob Du Fu zum Maßstab. Was die Gelehrten schätzten, war die Verbindung von formaler Meisterschaft – vor allem im achtzeiligen „geregelten Gedicht“ – mit moralischem Ernst: Du Fu schrieb über Steuern, Zwangsrekrutierung und die Kluft zwischen Palast und Landstraße, ohne die Form zu verlassen. Seine Gedichte wurden als „Geschichte in Versen“ gelesen; jedes Kind lernt heute mindestens „Frühlingsblick“ auswendig.
Du Fu im deutschsprachigen Raum
Anders als Li Bai wurde Du Fu von den Nachdichtern um 1900 wenig beachtet; Hans Bethge nahm nur wenige seiner Gedichte auf. Eine philologisch genaue Auswahl von hundert Gedichten legte der Sinologe Raffael Keller 2009 vor („Du Fu: Gedichte“, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung), mit Anmerkungen zu Anspielungen und Formen. Wer Du Fu auf Deutsch lesen will, beginnt dort; wer den Kontext sucht, auf der Seite zur klassischen Lyrik.
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