Wang Wei

王维 (Wáng Wéi)

SchriftstellerDichterMaler
Geboren:701Qixian, Provinz Shanxi, China (Angaben schwanken)
Gestorben:761
Nationalität:China (Tang-Zeit)

Wang Wei (um 701–761) war Dichter, Maler und Musiker zugleich – der Song-Dichter Su Shi sagte über ihn, in seinen Gedichten sei Malerei und in seinen Bildern Dichtung. Seine stillen Landschaftsgedichte, geprägt vom Buddhismus, sind die meistübersetzten der Tang-Zeit.

Wunderkind und Beamter

Wang Wei bestand die höchste Beamtenprüfung mit Anfang zwanzig und machte Karriere am Hof, mit Unterbrechungen durch Verbannung und Trauer: Seine Frau starb früh, er heiratete nicht wieder. Sein Landsitz am Wang-Fluss südlich von Chang'an wurde zum Schauplatz seiner bekanntesten Gedichte – zwanzig Vierzeiler über Orte des Anwesens, die er mit seinem Freund Pei Di als Gedichtwechsel verfasste. Die Geburtsdaten sind unsicher; genannt werden 699 oder 701 als Geburts- und 759 oder 761 als Todesjahr.

Der Aufstand und die Rettung

Als An Lushans Truppen 756 Chang'an einnahmen, geriet Wang Wei in Gefangenschaft und wurde gezwungen, ein Amt unter den Rebellen anzunehmen. Nach der Rückeroberung drohte ihm die Hinrichtung als Kollaborateur; ein Gedicht, das er in Gefangenschaft über die Trauer der Palastmusiker geschrieben hatte, und die Fürsprache seines Bruders retteten ihn. Er starb wenige Jahre später als hoher Beamter.

Stille, Leere, Buddhismus

Wang Weis Gedichte sind kurz und verzichten auf das Ich: Ein leerer Berg, auf dem man Stimmen hört, ohne jemanden zu sehen; Sonnenlicht, das ins Moos fällt; ein Kirschbaum, der im Regen blüht. Der Buddhismus – seine Mutter war Schülerin eines Chan-Meisters, sein Beiname Mojie spielt auf den Laienbodhisattva Vimalakīrti an – gab dieser Zurücknahme eine Grundlage: Die Welt wird beobachtet, nicht kommentiert. Als Maler gilt er als Ahnherr der monochromen Tuschlandschaft, auch wenn kein Original erhalten ist.

Wang Wei im deutschsprachigen Raum

Gustav Mahler vertonte im Schlusssatz von „Das Lied von der Erde“ ein Abschiedsgedicht Wang Weis nach Hans Bethges Nachdichtung; seither ist der Dichter im Konzertsaal präsenter als im Buchhandel. Eine zweisprachige Auswahl mit Kommentaren legte Stephan Schuhmacher unter dem Titel „Jenseits der weißen Wolken. Die Gedichte des Weisen vom Südgebirge“ vor (Diederichs, später dtv). Wang Weis Vierzeiler sind zudem die bevorzugten Übungstexte für Lernende des klassischen Chinesisch: kurz, konkret, in einfacher Sprache.