Meng Haoran

孟浩然 (Mèng Hàorán)

SchriftstellerDichter
Geboren:689Xiangyang, Provinz Hubei, China
Gestorben:740
Nationalität:China (Tang-Zeit)

Meng Haoran (689–740) schrieb das wohl bekannteste Gedicht der chinesischen Sprache: „Frühlingsmorgen“, vier Zeilen über Vogelstimmen und die Blüten, die der Regen der Nacht gefällt hat. Er war der Ältere einer Dichtergeneration, die Natur nicht als Kulisse, sondern als Gegenstand nahm.

Ein Leben ohne Amt

Meng Haoran stammte aus Xiangyang am Han-Fluss und lebte dort die meiste Zeit als Privatmann auf dem Familiengut und in den Bergen der Umgebung. Erst mit vierzig reiste er nach Chang'an, um die Beamtenprüfung abzulegen – und fiel durch. Die Anekdote, er habe dem Kaiser bei einer zufälligen Begegnung ausgerechnet ein Gedicht mit einer Klage über die Zurückweisung durch den Hof vorgetragen und damit jede Anstellung verspielt, ist zu gut, um belegt zu sein. Er kehrte heim, reiste durch den Süden und starb 740 in Xiangyang.

Die Landschaft als Thema

Zusammen mit dem jüngeren Wang Wei steht Meng Haoran für die Landschafts- und Gartenlyrik der Tang-Zeit: Gedichte über Flussfahrten, Besuche bei Einsiedlern, Herbstabende am Wasser. Seine Sprache ist schlicht und sein Blick der eines Beobachters, der die Natur nicht beschwört, sondern abwartet. Rund 260 Gedichte sind erhalten; der jüngere Li Bai verehrte ihn und widmete ihm ein Gedicht, in dem er den „Meister Meng“ als jemanden preist, der den Ruhm der Welt gegen Wolken und Kiefern getauscht habe.

Frühlingsmorgen

„Im Frühlingsschlaf merke ich nicht, dass es tagt, / überall höre ich Vögel singen. / In der Nacht kamen Wind und Regen – / wer weiß, wie viele Blüten gefallen sind.“ Die zwanzig Zeichen von 春晓 Chūnxiǎo lernen chinesische Kinder, bevor sie lesen können; das Gedicht steht in der Sammlung „Dreihundert Tang-Gedichte“ und in fast jedem Lehrbuch für Chinesisch als Fremdsprache. Sein Reiz liegt im Ungesagten: Ob der Sprecher den Blütenfall bedauert oder gleichmütig hinnimmt, entscheidet, wer liest.

Meng Haoran im deutschsprachigen Raum

Über Hans Bethges Nachdichtungen gelangte Meng Haoran in Gustav Mahlers „Das Lied von der Erde“: Der Schlusssatz „Der Abschied“ verbindet ein Gedicht Meng Haorans über das Warten auf einen Freund mit einem Gedicht Wang Weis. So hören ihn im deutschsprachigen Raum mehr Menschen im Konzertsaal, als ihn lesen. Deutsche Übersetzungen einzelner Gedichte stehen in den großen Anthologien der Tang-Lyrik; eine eigene Werkausgabe fehlt bislang.