Gao Xingjian

高行健

SchriftstellerDramatikerMaler
Geboren:04.01.1940Ganzhou, Jiangxi, China
Nationalität:Französisch (seit 1997), geboren in China

Gao Xingjian erhielt 2000 als erster chinesischsprachiger Autor den Nobelpreis für Literatur — als französischer Staatsbürger, der seit 1987 in Paris lebt. Sein Roman ‚Der Berg der Seele‘ (灵山, 1990) erzählt eine Reise durch Südwestchina als Suche nach dem Ich in drei Personen; seine Stücke ‚Busstation‘ und ‚Wilder Mensch‘ brachten in den 1980er-Jahren das absurde Theater nach Beijing und wurden verboten. In China sind seine Bücher bis heute nicht erhältlich; der Nobelpreis wurde dort als politisch abgetan. Gao malt außerdem Tuschebilder, die in Europa ausgestellt werden.

Vom Übersetzer zum Dramatiker

Gao studierte Französisch in Beijing und arbeitete als Übersetzer; in der Kulturrevolution verbrannte er seine Manuskripte und wurde aufs Land geschickt. Ab 1979 veröffentlichte er Essays über moderne Erzähltechnik, die in China als Angriff auf den sozialistischen Realismus gelesen wurden. Am Volkskunsttheater Beijing inszenierte er 1982 ‚Alarmsignal‘ und 1983 ‚Busstation‘ — Menschen warten zehn Jahre auf einen Bus, der nicht hält. Die Kampagne gegen ‚geistige Verschmutzung‘ setzte das Stück ab.

Der Berg der Seele

Nach einer Fehldiagnose auf Lungenkrebs wanderte Gao 1983 zehn Monate durch Sichuan, Guizhou und den Yangtse-Raum, fern von Beijing. Aus der Reise wurde über sieben Jahre der Roman ‚Lingshan‘: Ein ‚Ich‘, ein ‚Du‘ und ein ‚Er‘ suchen einen Berg, der auf keiner Karte steht, und begegnen Schamanen, Daoisten, Sängerinnen und den Resten einer Kultur, die die Revolution ausgelöscht hat. Der Roman erschien 1990 in Taipei, 2001 auf Deutsch bei S. Fischer.

Exil, Nobelpreis, Malerei

1987 reiste Gao nach Paris und kehrte nicht zurück; nach dem 4. Juni 1989 trat er aus der Partei aus und schrieb das Stück ‚Die Flucht‘, das ihn in China zur Unperson machte. 1997 wurde er französischer Staatsbürger. Die Schwedische Akademie ehrte ihn 2000 für ‚ein Werk von universeller Gültigkeit, bitterer Einsicht und sprachlicher Originalität‘. Seine Tuschemalerei — Schwarzweiß, zwischen Landschaft und Abstraktion — zeigen Museen in Europa und Taiwan; er nennt sie seine zweite Sprache.