Chinas Börsen: Shanghai, Shenzhen, Peking und Hongkong
China hat vier Aktienbörsen in zwei Systemen. Shanghai, Shenzhen und Peking liegen auf dem Festland, handeln in Renminbi und unterstehen der Wertpapieraufsicht CSRC; Hongkong hat eine eigene Börse, eigene Aufsicht und den Hongkong-Dollar. Wer chinesische Aktien versteht, muss drei Dinge auseinanderhalten: an welcher Börse ein Unternehmen notiert ist, welche Aktiengattung gehandelt wird und auf welchem Weg Anleger von außen Zugang bekommen. Diese Seite erklärt die Struktur – ohne Kurse, ohne Empfehlung.
Vier Börsen, zwei Systeme
Wiedereröffnet am 26. November 1990, Handelsbeginn am 19. Dezember 1990; unter Aufsicht der CSRC. Hauptmarkt für die großen Staats- und Industrieunternehmen, dazu seit 2019 der STAR Market für Technologiewerte mit registrierungsbasiertem Zulassungsverfahren. Leitindex ist der SSE Composite, der alle notierten A- und B-Aktien umfasst.
Gegründet am 1. Dezember 1990, Handelsbeginn am 3. Juli 1991; unter Aufsicht der CSRC. Heimat vieler privater Technologie-, Gesundheits- und Energieunternehmen. Neben dem Hauptmarkt seit 2004 ein Segment für kleine und mittlere Unternehmen und seit dem 23. Oktober 2009 ChiNext, das Wachstumssegment für junge Unternehmen, die die Anforderungen des Hauptmarkts noch nicht erfüllen.
Die jüngste Börse: im September 2021 angekündigt, Handelsbeginn am 15. November 2021. Sie ging aus dem außerbörslichen Handelssystem NEEQ („New Third Board“) hervor und richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die für Shanghai und Shenzhen zu klein sind.
Betreiberin der Börse Hongkong, entstanden am 6. März 2000 aus der Fusion der Aktien- und der Terminbörse. Handel in Hongkong-Dollar, eigene Aufsicht (Securities and Futures Commission), Leitindex Hang Seng. Für Anleger außerhalb Chinas der übliche Zugang zu chinesischen Unternehmen – über H-Aktien, Red Chips und die Verbindung Stock Connect zum Festland.
Die drei Festlandbörsen sind keine Konkurrenten mit freiem Wettbewerb um Emittenten, sondern Teile eines Systems mit verteilten Rollen: Shanghai für die großen, Shenzhen für die wachstumsstarken, Peking für die kleinen Unternehmen. Die Wertpapieraufsicht CSRC, 1992 gegründet, setzt das Regelwerk für alle drei. Hongkong steht daneben als internationaler Marktplatz mit eigenem Recht – und als Brücke, über die das Festland seit 2014 für Anleger von außen erreichbar ist.
A, B, H und Red Chips: die Aktiengattungen
Dass ein chinesisches Unternehmen mehrere Aktiengattungen hat, ist die Regel, nicht die Ausnahme. Die Gattung sagt, wo die Aktie gehandelt wird, in welcher Währung und wer sie kaufen darf.
A-Aktien
Notiert in Shanghai oder Shenzhen, Handel in Renminbi. Ursprünglich nur für inländische Anleger; von außen zugänglich über zugelassene institutionelle Anleger (QFII, seit 2003) und Stock Connect.
B-Aktien
Ebenfalls Festlandnotierungen, aber in Fremdwährung gehandelt und von Anfang an für ausländische Anleger gedacht. Ein kleines, historisch gewachsenes Segment.
H-Aktien
Aktien von Unternehmen mit Sitz auf dem Festland, die in Hongkong notiert sind und in Hongkong-Dollar gehandelt werden. Den Anfang machte Tsingtao Brewery 1993. Der Hang Seng China Enterprises Index bildet sie ab.
Red Chips
In Hongkong notierte Unternehmen, die außerhalb des Festlands eingetragen sind, deren Geschäft aber auf dem Festland liegt – der Unterschied zu H-Aktien ist der Sitz, nicht das Geschäft.
Hinterlegungsscheine in den USA
Viele Internet- und Autounternehmen sind zusätzlich oder zuerst an NASDAQ oder NYSE notiert, meist als American Depositary Receipts. Eine Zweitnotierung in Hongkong ist seit einigen Jahren üblich.
Dieselbe Aktie kann in Shanghai als A-Aktie und in Hongkong als H-Aktie notiert sein, zu unterschiedlichen Kursen: Weil Festlandanleger nicht frei im Ausland und ausländische Anleger nicht frei auf dem Festland kaufen dürfen, gleichen sich die Preise nicht an. Der Abstand zwischen A- und H-Kurs ist deshalb selbst eine Kennzahl, die Analysten beobachten.
Zugang für Anleger von außen: QFII und Stock Connect
Bis 2003 standen Anlegern aus dem Ausland auf dem Festland nur die B-Aktien offen. Dann öffnete das Programm für qualifizierte ausländische institutionelle Anleger (QFII) einen Weg für Banken und Fonds mit Lizenz und Kontingent. Für alle anderen kam die Öffnung über Hongkong: Am 17. November 2014 startete Stock Connect zwischen Shanghai und Hongkong, am 5. Dezember 2016 folgte die Verbindung nach Shenzhen. Anleger in Hongkong und weltweit kaufen seither über ihren Hongkonger Broker zugelassene Festlandaktien („Northbound“), Festlandanleger über ihre Broker Hongkonger Aktien („Southbound“). Der Handel wird in Renminbi abgerechnet, die Abwicklung läuft über die Clearinghäuser beider Seiten.
Begrenzt ist der Verkehr durch tägliche Kontingente je Richtung; die ursprünglichen Gesamtkontingente wurden im August 2016 abgeschafft. Welche Aktien zugelassen sind, richtet sich nach Indexzugehörigkeit und wird von den Börsen gepflegt. Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum ist Stock Connect meist unsichtbar: Sie begegnen ihm über Fonds und ETFs, die Festlandaktien auf diesem Weg halten, oder kaufen gleich die Hongkonger oder amerikanische Notierung desselben Unternehmens.
Wo die Unternehmen der Firmenprofile notiert sind
Die Liste zieht die Notierungen aus den Firmenprofilen dieser Site; ein Unternehmen kann an mehreren Börsen erscheinen. Stand und Details stehen im jeweiligen Profil.
- Air China – Shanghai (601111), Hong Kong Stock Exchange (0753)
- China Mobile – HKEX (0941), SSE (600941)
- CNOOC – Hong Kong Stock Exchange (0883), Shanghai (600938)
- COSCO – SSE: 601919 (Muttergesellschaft)
- CRRC – HKEX (1766), SSE (601766)
- Haier – Shanghai Stock Exchange (600690.SH), Hong Kong Stock Exchange (1169.HK)
- ICBC – SSE: 601398, SEHK: 1398
- LONGi – Shanghai Stock Exchange (601012)
- MG / SAIC – SSE (600104)
- PetroChina – Shanghai (601857), Hong Kong Stock Exchange (0857)
- Ping An – HKEX: 2318, SSE: 601318
- Sinotrans – Hong Kong Stock Exchange (0598), Shanghai (601598)
- Tsingtao – Shanghai Stock Exchange (600600), Hong Kong Stock Exchange (0168)
- Wanhua – Shanghai Stock Exchange (600309)
- Air China – Shanghai (601111), Hong Kong Stock Exchange (0753)
- Anker – SZSE (300866); HKEX seit Juli 2026
- Baidu – NASDAQ (BIDU), HKEX (9888.HK)
- China Mobile – HKEX (0941), SSE (600941)
- CNOOC – Hong Kong Stock Exchange (0883), Shanghai (600938)
- CRRC – HKEX (1766), SSE (601766)
- Geely – nicht börsennotiert; Tochter Geely Automobile Holdings an der HKEX (175)
- Haier – Shanghai Stock Exchange (600690.SH), Hong Kong Stock Exchange (1169.HK)
- ICBC – SSE: 601398, SEHK: 1398
- JD.com – NASDAQ (JD), Hong Kong Stock Exchange (9618.HK)
- Lenovo – HKEX (992)
- NetEase – NASDAQ (NTES), HKEX (9999.HK)
- NIO – NYSE (NIO), HKEX (9866)
- PetroChina – Shanghai (601857), Hong Kong Stock Exchange (0857)
- Ping An – HKEX: 2318, SSE: 601318
- Shein – HKEX (0625), seit September 2026
- Sinotrans – Hong Kong Stock Exchange (0598), Shanghai (601598)
- Tencent – Hong Kong Stock Exchange (0700.HK)
- Trip.com Group – NASDAQ (TCOM), Hong Kong Stock Exchange (9961)
- Tsingtao – Shanghai Stock Exchange (600600), Hong Kong Stock Exchange (0168)
- Xiaomi – Hong Kong Stock Exchange (1810.HK)
- XPeng – NYSE (XPEV), HKEX (9868)
- ZTE – Shenzhen Stock Exchange (000063), Hong Kong (0763)
Häufige Fragen
A-Aktien sind in Shanghai oder Shenzhen notiert, lauten auf Renminbi und waren ursprünglich inländischen Anlegern vorbehalten; Zugang von außen gibt es über zugelassene institutionelle Anleger (QFII, seit 2003) und über Stock Connect. H-Aktien sind Aktien von Unternehmen mit Sitz auf dem Festland, die in Hongkong notiert sind und in Hongkong-Dollar gehandelt werden. Viele große Unternehmen haben beides („A+H“), oft zu unterschiedlichen Kursen.
Strukturell ja, auf drei Wegen: über Notierungen in Hongkong, über Hinterlegungsscheine an US-Börsen (NASDAQ, NYSE) und über Fonds oder ETFs, die Festlandaktien über Stock Connect halten. Welche Wege eine Bank oder ein Broker im deutschsprachigen Raum anbietet, ist von Haus zu Haus verschieden. Diese Seite erklärt die Struktur und gibt keine Anlageempfehlung.
Das 2019 eröffnete Technologiesegment der Börse Shanghai für forschungsintensive Unternehmen. Neu war das Zulassungsverfahren: Statt einer Genehmigung jedes Börsengangs durch die Aufsicht gilt ein registrierungsbasiertes Verfahren, in dem die Börse die Unterlagen prüft. Das Pendant in Shenzhen ist ChiNext, seit 2009.
Eine Handelsverbindung zwischen Hongkong und den Festlandbörsen: Anleger in Hongkong und international kaufen über ihren Hongkonger Broker zugelassene Aktien aus Shanghai (seit 17. November 2014) und Shenzhen (seit 5. Dezember 2016) – „Northbound“; Anleger vom Festland kaufen Hongkonger Aktien – „Southbound“. Abgerechnet wird in Renminbi, und für jede Richtung gilt ein tägliches Kontingent.
Quellen
Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.
- China Securities Regulatory Commission (CSRC) (Wertpapieraufsicht der Volksrepublik China, Peking) · Quellenprofil
- Shanghai Stock Exchange (English) (Shanghai Stock Exchange (上海证券交易所); Marktdaten täglich, Statistiken monatlich) · Quellenprofil
- Shenzhen Stock Exchange (English) (Shenzhen Stock Exchange (深圳证券交易所); Marktdaten täglich, Statistiken monatlich) · Quellenprofil
- Hong Kong Exchanges and Clearing (HKEX) (Hong Kong Exchanges and Clearing Limited; Marktdaten täglich, Statistiken monatlich) · Quellenprofil
- Shanghai Stock Exchange – Artikel der englischen Wikipedia (Wiedereröffnung 1990, A- und B-Aktien, QFII 2003, STAR Market 2019, SSE Composite)
- Shenzhen Stock Exchange – Artikel der englischen Wikipedia (Gründung 1990, Handel 1991, KMU-Segment 2004, ChiNext 2009)
- Beijing Stock Exchange – Artikel der englischen Wikipedia (Handelsbeginn 15. November 2021, NEEQ)
- Hong Kong Exchanges and Clearing – Artikel der englischen Wikipedia (Fusion 2000, Hang Seng)
- H share – Artikel der englischen Wikipedia (Definition, Tsingtao 1993, Red Chips, A/H-Kursabstand)
- Shanghai-Hong Kong Stock Connect – Artikel der englischen Wikipedia (Start 17. November 2014, Northbound/Southbound, Kontingente, Abrechnung in Renminbi)
- Shenzhen-Hong Kong Stock Connect – Artikel der englischen Wikipedia (Start 5. Dezember 2016)
- China Securities Regulatory Commission – Artikel der englischen Wikipedia (Gründung 1992, Aufgaben)
Wie CHINANETZ Quellen auswählt und prüft: Recherche und Quellen.
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