Chinesische Klassiker

Jiaozi

饺子Jiǎozi

Auch bekannt als: Chinesische Teigtaschen, Shuijiao (gekocht), Guotie (gebraten)

Halbmondförmige Teigtaschen aus ungesäuertem Weizenteig mit einer saftigen Füllung aus Schweinehack und Chinakohl, in Wasser gekocht und mit einem Dip aus schwarzem Reisessig gegessen. Das Familiengericht Nordchinas zum Frühlingsfest.

Mittel
Vorbereitung: 75 Min
Kochzeit: 15 Min
4 Personen (etwa 40 Stück)
Kulturelle Bedeutung

Jiaozi sind das Gericht, das nordchinesische Familien in der Neujahrsnacht gemeinsam falten. Die Form erinnert an die Silberbarren (元宝, yuánbǎo) des alten China, und der Name trägt ein Wortspiel: 交子 (jiāozǐ) steht seit der Song-Zeit für den Jahreswechsel zur Stunde zǐ, also um Mitternacht – deshalb stehen sie genau dann auf dem Tisch.

Barrenform für Wohlstand; gemeinsames Falten als Familienritual der Neujahrsnacht

Zutaten

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Zubereitung

1

Teig: 400 g Mehl in eine Schüssel geben, 210 ml lauwarmes Wasser nach und nach mit Stäbchen einrühren, bis Flocken entstehen. Zu einem glatten, festen Teig kneten, mit einem feuchten Tuch abdecken und 30 Minuten ruhen lassen.

10 Min + 30 Min Ruhe
Tipp: Der Teig ist richtig, wenn er sich anfühlt wie ein Ohrläppchen: fest, aber nachgiebig. Ein zu weicher Teig reißt beim Kochen.
2

Kohl: 300 g fein gehackten Chinakohl mit ½ TL Salz mischen, 15 Minuten stehen lassen und dann kräftig ausdrücken. So wässert die Füllung später nicht.

15 Min
3

Füllung: 400 g Schweinehack mit 2 EL Sojasauce, 1 EL Reiswein, 1 TL Salz, ½ TL weißem Pfeffer und dem geriebenen Ingwer verrühren. 60 ml kalte Brühe in drei Portionen einrühren und dabei immer in dieselbe Richtung rühren, bis die Masse klebrig wird. Zum Schluss Kohl, Frühlingszwiebeln und 1 EL Sesamöl unterheben.

10 Min
Tipp: Das Rühren in eine Richtung bindet die Flüssigkeit im Fleisch. Beim Kochen wird daraus der Saft, der die Jiaozi von trockenen Teigtaschen unterscheidet.
4

Teigblätter: Den Teig zu einer daumendicken Rolle formen und in etwa 40 Stücke schneiden. Jedes Stück flach drücken und mit einem kleinen Rollholz zu einem Kreis von rund 8 cm ausrollen, außen dünn, in der Mitte etwas dicker.

20 Min
Tipp: Beim Ausrollen das Teigstück drehen und nur den Rand rollen – die dickere Mitte hält die Füllung, der dünne Rand lässt sich falten.
5

Falten: 1 gehäuften TL Füllung in die Mitte setzen, das Blatt zum Halbmond zusammenklappen und den Rand fest zusammendrücken. Wer mag, legt von der Mitte nach außen kleine Falten – sie dichten ab und geben die typische Form.

20 Min
6

Kochen: Einen großen Topf Wasser sprudelnd aufkochen. Etwa 20 Jiaozi hineingeben und einmal vorsichtig umrühren, damit nichts am Boden klebt. Sobald das Wasser wieder kocht, eine Tasse kaltes Wasser zugießen. Diesen Schritt zweimal wiederholen; nach dem dritten Aufkochen sind die Jiaozi gar und schwimmen oben.

8 Min pro Ladung
Tipp: Das kalte Wasser bremst das Kochen, sodass die Füllung durchgart, bevor der Teig weich wird.
7

Dip: 3 EL Chinkiang-Essig mit 1 EL Sojasauce, 1 gehackten Knoblauchzehe und Chiliöl nach Geschmack mischen. Jiaozi mit einem Schaumlöffel herausheben und sofort servieren.

2 Min

Tipps für die Zubereitung

  • Als Guotie (锅贴) braten: Jiaozi in einer beschichteten Pfanne in 1 EL Öl anbraten, 100 ml Wasser angießen, Deckel drauf, 6 Minuten dämpfen, dann ohne Deckel knusprig werden lassen.
  • Einfrieren: Rohe Jiaozi einzeln auf einem bemehlten Blech anfrieren, dann in einen Beutel füllen. Direkt aus dem Gefrierschrank kochen, 2 Minuten länger.
  • Vegetarisch: Die Füllung aus 3 verquirlten und gebratenen Eiern, 200 g Schnittlauch oder Knoblauchschnittlauch (韭菜) und 30 g eingeweichten Glasnudeln ist in Nordchina ein eigener Klassiker.
  • Fertige Teigblätter aus dem Asialaden (Kühlregal, „Dumpling Wrappers“) sparen die Hälfte der Zeit; den Rand mit Wasser bestreichen, damit er klebt.
  • Wer Maultaschen kann, kann Jiaozi: Der Teig ist ähnlich, nur ohne Ei, und die Füllung bleibt roh, bis sie im Wasser gart.
  • Hackfleisch am Kauftag verarbeiten und die Füllung durchgaren: Das BfR nennt für Fleisch mindestens 70 °C für zwei Minuten – nach dem dritten Aufkochen ist das bei Jiaozi dieser Größe erreicht; im Zweifel eine Tasche aufschneiden.

Herkunft und Hintergrund

Wie alt Jiaozi sind, lässt sich nicht an einem Datum festmachen, aber die Spur reicht weit zurück. Archäologen haben in Gräbern bei Turpan in Xinjiang aus der Tang-Zeit (618–907) erhaltene Teigtaschen gefunden; ein Text der Nördlichen Qi (550–577) beschreibt bereits die Halbmondform. Die Küchenlegende geht noch weiter zurück: Der Arzt Zhang Zhongjing aus der Östlichen Han-Zeit soll Lammfleisch mit wärmenden Kräutern in Teig gehüllt haben, um erfrorene Ohren armer Leute zu kurieren – daher der alte Name „zarte Ohren“ (娇耳, jiāo’ěr). Das ist Überlieferung, keine belegte Geschichte, aber sie erklärt, warum Jiaozi bis heute mit Winter und Fürsorge verbunden werden.

In der Neujahrsnacht sind Jiaozi im Norden Chinas Pflicht. Die Familie faltet sie gemeinsam am Nachmittag, gekocht werden sie um Mitternacht. Der Grund ist ein Wortspiel, das schon eine Quelle der Song-Zeit erklärt: Die Teigtaschen hießen damals „Hörnchen“ (角子, jiǎozi), und man aß sie im Sinne von 更岁交子 – das Jahr wechselt zur Stunde zǐ, der Doppelstunde um Mitternacht. Dazu kommt die Form, die an die Silberbarren (元宝) der Kaiserzeit erinnert. Manche Familien verstecken eine gewaschene Münze in einer der Taschen – wer sie erwischt, hat im neuen Jahr Glück. Im Süden übernehmen Tangyuan oder Niangao diese Rolle; dort sind Teigtaschen eher die kleinen, dünnhäutigen Dim Sum der kantonesischen Teehäuser.

Im deutschsprachigen Raum sind Jiaozi meist unter dem japanischen Namen Gyōza im Tiefkühlregal angekommen. Die selbst gemachte Version ist etwas anderes: dickerer, handgerollter Teig, eine saftige Füllung, und ein Dip aus schwarzem Reisessig statt Sojasauce. Wer schwäbische Maultaschen kennt, findet die Technik vertraut – nur dass die Füllung roh in den Teig kommt und erst im Wasser gart. Die Zutaten gibt es in jedem Asialaden; Chinakohl, Schweinehack und Weizenmehl ohnehin in jedem Supermarkt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Jiaozi, Gyoza, Wantan und Dim Sum?

Jiaozi sind die nordchinesischen Teigtaschen aus Weizenteig, gekocht, gedämpft oder gebraten. Gyōza ist die japanische Variante mit dünnerem Teig, fast immer gebraten. Wantan haben quadratische, hauchdünne Blätter und werden meist in Suppe serviert. Dim Sum ist kein einzelnes Gericht, sondern die kantonesische Teehaus-Küche mit vielen kleinen Speisen, darunter Har Gow mit durchscheinender Hülle aus Weizenstärke.

Kann man Jiaozi einfrieren?

Ja, roh und vor dem Kochen. Die gefüllten Taschen einzeln auf einem bemehlten Blech anfrieren, dann in einen Beutel umfüllen. Gefroren direkt ins kochende Wasser geben und etwa zwei Minuten länger kochen als frische. Gekochte Jiaozi verlieren beim Auftauen ihre Textur.

Warum platzen die Jiaozi beim Kochen?

Meist ist der Teig zu weich oder der Rand nicht fest genug zusammengedrückt. Der Teig sollte fest und gut geknetet sein, die Ränder trocken (Mehlstaub abklopfen) und ohne Luft verschlossen. Beim Kochen hilft das kalte Wasser bei jedem Aufkochen: Es hält das Wasser knapp unter dem Sprudeln, sodass die Taschen nicht gegeneinander schlagen.

Welche Füllung ist die klassische?

Schweinehack mit Chinakohl ist der Alltagsklassiker des Nordens, Schwein mit Knoblauchschnittlauch (韭菜) der zweite. Lamm mit Möhre ist in Peking und im Nordwesten verbreitet, Garnelen im Süden. Vegetarisch sind Ei mit Schnittlauch oder Tofu mit Shiitake üblich.

Kochtechniken
Teig knetenFaltenKochen
Geeignet für
FrühlingsfestFamilienessenWintergerichte

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