Xuanzang

玄奘 (Xuánzàng)

PhilosophMönchÜbersetzer
Geboren:602Luozhou (heute Yanshi bei Luoyang, Provinz Henan), China
Gestorben:664
Nationalität:China (Tang-Zeit)

Xuanzang (602–664) ging als Mönch nach Indien, um die Quellen des Buddhismus zu lesen, kam nach 16 Jahren mit Hunderten Schriften zurück und übersetzte sie – die größte Übersetzungsleistung der chinesischen Geschichte. Sein Reisebericht wurde zur Vorlage des Romans „Die Reise in den Westen“.

Aufbruch gegen das Ausreiseverbot

Xuanzang trat als Jugendlicher in ein Kloster in Luoyang ein und studierte in Chang'an und Chengdu die buddhistischen Lehrtexte, die China damals kannte. Die Übersetzungen widersprachen sich, und er wollte die Sanskrit-Originale lesen. 629 verließ er die Tang-Hauptstadt ohne die vorgeschriebene Erlaubnis, durchquerte die Wüste Gobi, die Oasen des Tarimbeckens und die Pässe des Hindukusch und erreichte über das heutige Afghanistan und Pakistan Nordindien.

Sechzehn Jahre in Indien

In Nalanda, der großen Klosteruniversität in Bihar, studierte er Jahre bei dem Abt Śīlabhadra die Yogācāra-Philosophie, die das Bewusstsein ins Zentrum stellt. Er reiste durch den Subkontinent bis in den Süden, besuchte die Stätten aus dem Leben des Buddha und nahm 643 an einer großen Debatte teil, die der König Harṣa für ihn ausrichtete. 645 kehrte er nach Chang'an zurück – mit 657 Texten, Reliquien und Buddhastatuen, die ein Tross von Pferden trug. Kaiser Taizong, der ihn einst hatte aufhalten wollen, empfing ihn als Berühmtheit.

Das Übersetzungsbüro

Die verbleibenden 19 Lebensjahre verbrachte Xuanzang mit Übersetzen, unterstützt vom Hof und von Dutzenden Mönchen und Schreibern. Rund 75 Werke in über 1.300 Rollen entstanden, darunter das riesige „Große Sutra der Vollkommenheit der Weisheit“ und die Kurzfassung, die im ganzen ostasiatischen Buddhismus rezitiert wird, das Herz-Sutra. Seine Übersetzungen galten als so genau, dass die Nachwelt sie von den „alten Übersetzungen“ abgrenzte. Für die Schriften ließ Kaiser Gaozong 652 die Große Wildganspagode in Chang'an bauen, die heute zu den Wahrzeichen Xi'ans gehört.

Der Reisebericht und der Roman

Auf kaiserlichen Wunsch diktierte Xuanzang die „Aufzeichnungen über die westlichen Gebiete zur Zeit der Großen Tang“ (大唐西域记), eine Beschreibung von über hundert Reichen, Städten und Klöstern mit Entfernungen, Sitten und Legenden. Für die Geschichte Indiens und Zentralasiens im 7. Jahrhundert ist der Text eine Quelle ersten Ranges; Archäologen fanden mit seiner Hilfe die Ruinen von Nalanda. Aus der Pilgerreise machte die Volksüberlieferung über Jahrhunderte ein Abenteuer mit Dämonen und dem Affenkönig, das im 16. Jahrhundert als „Die Reise in den Westen“ zum Roman wurde – mit einem frommen, hilflosen Mönch, der dem historischen Xuanzang wenig gleicht.

Xuanzang im deutschsprachigen Raum

Die Lebensbeschreibung Xuanzangs, die sein Schüler Huili verfasste, liegt in einer mehrbändigen deutschen Ausgabe von Alexander Leonhard Mayer und Klaus Röhrborn vor, die zwischen 1991 und 2005 erschien – ein Grundlagenwerk der Zentralasienforschung. Der Reisebericht ist bislang vollständig nur auf Englisch und Französisch übersetzt. Über den Roman und die Verfilmungen des Affenkönigs ist Xuanzang auch außerhalb der Sinologie bekannt, meist unter seinem Romannamen Tang Sanzang.