Zhu Xi

朱熹 (Zhū Xī)

PhilosophGelehrterBeamter
Geboren:1130Youxi, Provinz Fujian, China
Gestorben:1200
Nationalität:China (Südliche Song)

Zhu Xi (1130–1200) gab dem Konfuzianismus die Form, in der er sechs Jahrhunderte lang gelehrt und geprüft wurde: Seine Auswahl der „Vier Bücher“ und seine Kommentare dazu bildeten von 1313 bis 1905 den Stoff der Beamtenprüfungen.

Ein Gelehrter, der Ämter mied

Zhu Xi wurde 1130 in Youxi in der Provinz Fujian geboren, wo sein Vater als Beamter diente, und bestand mit 18 Jahren die höchste Beamtenprüfung. Anders als die meisten Absolventen hielt er sich vom Hof fern: Von seinen rund fünfzig Lebensjahren nach der Prüfung verbrachte er nur wenige in Ämtern, meist als Präfekt in der Provinz, und lehnte Berufungen in die Hauptstadt wiederholt ab. Die Zeit dazwischen nutzte er zum Lesen, Schreiben und Unterrichten – bei seinem Tod hinterließ er Schüler in ganz Südchina.

Prinzip und Stoff: das System des Neokonfuzianismus

Zhu Xi verband die Lehren mehrerer Denker der Nördlichen Song, vor allem der Brüder Cheng, zu einem geschlossenen Weltbild. Alles Seiende besteht aus 理 lǐ, dem Prinzip oder Muster, und 气 qì, dem Stoff, aus dem die Dinge gebildet sind. Das Prinzip ist in jedem Menschen vollständig vorhanden, aber vom Stoff verdunkelt; moralische Bildung heißt, es durch „Erforschen der Dinge“ (格物 géwù) und tägliches Selbststudium freizulegen. Diese Lehre wurde später als Neokonfuzianismus bezeichnet und gab dem alten Kanon eine Metaphysik, die mit Buddhismus und Daoismus konkurrieren konnte.

Die Vier Bücher und die Prüfungen

Sein folgenreichstes Werk ist ein Lehrplan. Zhu Xi stellte aus dem Kanon vier kurze Texte zusammen – „Gespräche“ des Konfuzius, „Mengzi“, „Das große Lernen“ und „Maß und Mitte“ – und versah sie mit Kommentaren, die 1190 erstmals gedruckt wurden. Diese „Vier Bücher“ sollten vor den umfangreichen Fünf Klassikern gelesen werden. 1313 machte die Yuan-Regierung sie mit Zhu Xis Auslegung zum verbindlichen Prüfungsstoff; bis zur Abschaffung der Beamtenprüfungen 1905 lernte jeder Kandidat den Konfuzianismus in seiner Fassung.

Akademien, Familienriten, Nachleben

1179 erneuerte Zhu Xi die Akademie der Weißen Hirschgrotte am Lu-Berg und gab ihr Regeln, die zum Vorbild für Privatakademien in China, Korea und Japan wurden. Sein Handbuch der Familienriten („Zhuzi jiali“) ordnete Hochzeit, Trauer und Ahnenopfer für gewöhnliche Haushalte und prägte den Alltag in Ostasien bis ins 20. Jahrhundert. Zu Lebzeiten stand er zeitweise unter dem Verdacht, eine „falsche Lehre“ zu verbreiten; 1241 wurde er in den Konfuziustempel aufgenommen und damit offiziell zum Erben der Lehre erklärt.

Zhu Xi im deutschsprachigen Raum

Deutsche Sinologen haben sich mit Zhu Xi vor allem als Systematiker beschäftigt; eine Gesamtübersetzung seiner Schriften gibt es nicht, wohl aber Übersetzungen der Vier Bücher, in denen seine Kommentare mitgelesen werden. Wer verstehen will, warum der Konfuzianismus in Korea und Japan bis heute nachwirkt, kommt an Zhu Xi nicht vorbei: Die dortigen Schulen des 16. bis 19. Jahrhunderts stritten fast ausschließlich über seine Auslegung.