Jiangsu

江苏 (Jiāngsū) • Industrieprovinz am Jangtse

Nördlich von Shanghai liegt die Provinz, in der mehr deutschsprachige Mittelständler produzieren als irgendwo sonst in China. Jiangsu ist Fertigungsland und Halbleiterstandort, hat mit Nanjing eine ehemalige Kaiserstadt und mit Suzhou die berühmtesten Gärten des Landes.

Hauptstadt NanjingJangtse-DeltaPilot-Freihandelszone seit 2019

Eine Provinz, zwei Hälften

Jiangsu erstreckt sich vom Gelben Meer bis zum Jangtse und darüber hinaus; der Fluss teilt die Provinz in einen wohlhabenden Süden — Sunan, mit Nanjing, Suzhou, Wuxi und Changzhou — und einen agrarisch geprägten Norden um Xuzhou und Huai'an. Der Süden gehört zum Jangtse-Delta, der Wirtschaftsregion um Shanghai, die mit Zhejiang und Anhui rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung erbringt; er erwirtschaftet den Großteil des Provinzprodukts.

Historisch war die Gegend die Kornkammer des Reichs: Der Kaiserkanal, unter den Sui begonnen, führt mitten durch die Provinz und brachte den Reis des Südens nach Norden. Suzhou wurde durch Seide und Kanäle reich, Yangzhou durch Salz, Nanjing war Hauptstadt der frühen Ming — und 1937 Schauplatz des Massakers, das das Verhältnis zu Japan bis heute prägt.

Die Städte

Nanjing 南京
Provinzhauptstadt, Ming-Hauptstadt, Hochschulstadt; Elektronik, Automotive, Petrochemie, Software
Suzhou 苏州
Gärten und Industriepark: Biomedizin, Elektronik, Automotive — die zweitgrößte Stadt des Jangtse-Deltas
Taicang 太仓
„Deutsche Kleinstadt“: Hunderte deutsche Mittelständler seit den 1990er-Jahren
Wuxi 无锡
Halbleiter, Internet der Dinge, Mikroelektronik
Changzhou 常州
Maschinenbau, Antriebstechnik, Batteriezellen
Nantong 南通
Schiffbau, Textil, sino-österreichischer Ökopark
Xuzhou 徐州
Verkehrsknoten im Norden, Baumaschinen; Partnerstadt von Leoben
Lianyungang 连云港
Hafen und östlicher Endpunkt der Eurasischen Landbrücke

Wirtschaft: Fertigung, Chips, Freihandelszone

Jiangsu gehört mit Guangdong zu den beiden Provinzen mit der größten Wirtschaftsleistung Chinas und hat unter allen Provinzen den höchsten Anteil der Fertigungsindustrie. Nanjing produziert Elektronik, Fahrzeuge, Petrochemie und Stahl und ist Softwarestandort; Suzhou mit seinem Industriepark, 1994 gemeinsam mit Singapur gegründet, zieht Biomedizin, Elektronik und Automobilzulieferer an; Wuxi ist mit Suzhou und Nanjing Chinas wichtigster Standort für integrierte Schaltungen und nationale Vorzeigezone für Sensornetze.

Die China (Jiangsu) Pilot-Freihandelszone, 2019 eröffnet, besteht aus drei Abschnitten: Nanjing Jiangbei (Innovation), Suzhou Industrial Park (High-End-Fertigung) und Lianyungang (Logistik, Endpunkt der Bahnverbindung nach Zentralasien und Europa). Die Provinz hat die meisten nationalen Hightech-Zonen des Landes; Exportschwerpunkte verschieben sich von Textil und Elektronik zu Elektrofahrzeugen, Batterien und Solarzellen.

Aktuelle Wirtschaftsdaten veröffentlicht das Statistikamt der Provinz jährlich im Frühjahr; für den deutschsprachigen Raum werten das AußenwirtschaftsCenter Shanghai der WKO und die AHK Shanghai die Zahlen aus.

Jiangsu und der deutschsprachige Raum

Taicang: die deutsche Kleinstadt

1993 eröffnete der Federnhersteller Kern-Liebers aus Schramberg in Taicang, einer Kreisstadt nördlich von Shanghai, das erste deutsche Werk. Ihm folgten Hunderte, überwiegend Mittelständler aus Baden-Württemberg und Bayern: Maschinenbau, Automobilzulieferung, Präzisionstechnik. Taicang hat eine deutsche Berufsschule nach dualem Modell, ein Oktoberfest und einen Bierbrauer — und gilt in China als Beispiel dafür, wie Ansiedlungspolitik funktioniert.

Österreich in Jiangsu

Über hundert österreichische Niederlassungen produzieren in der Provinz: Magna Powertrain und STEYR MOTORS in Changzhou, KNAPP und voestalpine in Suzhou, Ebner in Taicang, Hirschmann in Nantong, Melecs in Wuxi, dazu Andritz, Miba, Hoerbiger, Faigle, Pollmann. Der sino-österreichische Ökopark in Nantong, 2011 beim Staatsbesuch Hu Jintaos in Wien vereinbart, bietet ein „Österreichhaus“ und Ansiedlungsbedingungen für Umwelt- und Energietechnik.

Leoben ist seit 1994 Partnerstadt von Xuzhou; die Modul University Vienna bietet seit 2016 in Nanjing einen Bachelor in Tourismus an. Hintergrund unter Österreich–China Handelsbeziehungen.

Hochschulen

Die Universität Nanjing ist Partner der Konfuzius-Institute in Freiburg und Göttingen; das China-Forum Graz arbeitet mit der Universität Jiangsu und der Universität Nanjing zusammen.

Konsularisch

Für Jiangsu sind die Generalkonsulate in Shanghai zuständig: Deutschland, Österreich, Schweiz.

Kultur: Gärten, Kanal, Küche

Die klassischen Gärten von Suzhou sind UNESCO-Welterbe und das Vorbild jedes chinesischen Gartens im deutschsprachigen Raum; der Kaiserkanal, ebenfalls Welterbe, ist in Jiangsu am lebendigsten. Nanjing bewahrt die Ming-Stadtmauer und das Mausoleum des ersten Ming-Kaisers, Yangzhou die Gärten der Salzhändler. Die Küche der Provinz — Huaiyang-Küche mit Löwenkopf-Fleischbällchen und Dampfbrötchen — gilt als die feinste der acht Regionalküchen.

Anreise

Jiangsus Süden ist ein Vorort von Shanghai: Suzhou liegt mit dem Hochgeschwindigkeitszug rund eine halbe Stunde, Nanjing gut eine Stunde vom Bahnhof Shanghai Hongqiao entfernt; Nanjing Lukou hat eigene internationale Verbindungen mit Umstieg. Praktisches zu Flug, Bahn und Visum in den Reise-Ratgebern.