Jiangsu
江苏 (Jiāngsū) • Industrieprovinz am Jangtse
Nördlich von Shanghai liegt die Provinz, in der mehr deutschsprachige Mittelständler produzieren als irgendwo sonst in China. Jiangsu ist Fertigungsland und Halbleiterstandort, hat mit Nanjing eine ehemalige Kaiserstadt und mit Suzhou die berühmtesten Gärten des Landes.
Eine Provinz, zwei Hälften
Jiangsu erstreckt sich vom Gelben Meer bis zum Jangtse und darüber hinaus; der Fluss teilt die Provinz in einen wohlhabenden Süden — Sunan, mit Nanjing, Suzhou, Wuxi und Changzhou — und einen agrarisch geprägten Norden um Xuzhou und Huai'an. Der Süden gehört zum Jangtse-Delta, der Wirtschaftsregion um Shanghai, die mit Zhejiang und Anhui rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung erbringt; er erwirtschaftet den Großteil des Provinzprodukts.
Historisch war die Gegend die Kornkammer des Reichs: Der Kaiserkanal, unter den Sui zum Reichskanal ausgebaut, führt mitten durch die Provinz und brachte den Reis des Südens nach Norden. Suzhou wurde durch Seide und Kanäle reich, Yangzhou durch Salz, Nanjing war Hauptstadt der frühen Ming — und 1937 Schauplatz des Massakers, das das Verhältnis zu Japan bis heute prägt.
Die Städte
Wirtschaft: Fertigung, Chips, Freihandelszone
Jiangsu gehört mit Guangdong zu den beiden Provinzen mit der größten Wirtschaftsleistung Chinas und hat unter allen Provinzen den höchsten Anteil der Fertigungsindustrie. Nanjing produziert Elektronik, Fahrzeuge, Petrochemie und Stahl und ist Softwarestandort; Suzhou mit seinem Industriepark, 1994 gemeinsam mit Singapur gegründet, zieht Biomedizin, Elektronik und Automobilzulieferer an; Wuxi ist mit Suzhou und Nanjing Chinas wichtigster Standort für integrierte Schaltungen und nationale Vorzeigezone für Sensornetze.
Die China (Jiangsu) Pilot-Freihandelszone, 2019 eröffnet, besteht aus drei Abschnitten: Nanjing Jiangbei (Innovation), Suzhou Industrial Park (High-End-Fertigung) und Lianyungang (Logistik, Endpunkt der Bahnverbindung nach Zentralasien und Europa). Die Provinz hat die meisten nationalen Hightech-Zonen des Landes; Exportschwerpunkte verschieben sich von Textil und Elektronik zu Elektrofahrzeugen, Batterien und Solarzellen.
Aktuelle Wirtschaftsdaten veröffentlicht das Statistikamt der Provinz jährlich im Frühjahr; für den deutschsprachigen Raum werten das AußenwirtschaftsCenter Shanghai der WKO und die AHK Shanghai die Zahlen aus.
Jiangsu und der deutschsprachige Raum
1993 eröffnete der Federnhersteller Kern-Liebers aus Schramberg in Taicang, einer Kreisstadt nördlich von Shanghai, das erste deutsche Werk. Ihm folgten Hunderte, überwiegend Mittelständler aus Baden-Württemberg und Bayern: Maschinenbau, Automobilzulieferung, Präzisionstechnik. Taicang hat eine deutsche Berufsschule nach dualem Modell, ein Oktoberfest und einen Bierbrauer — und gilt in China als Beispiel dafür, wie Ansiedlungspolitik funktioniert.
Über hundert österreichische Niederlassungen produzieren in der Provinz: Magna Powertrain und STEYR MOTORS in Changzhou, KNAPP und voestalpine in Suzhou, Ebner in Taicang, Hirschmann in Nantong, Melecs in Wuxi, dazu Andritz, Miba, Hoerbiger, Faigle, Pollmann. Der sino-österreichische Ökopark in Nantong, 2011 beim Staatsbesuch Hu Jintaos in Wien vereinbart, bietet ein „Österreichhaus“ und Ansiedlungsbedingungen für Umwelt- und Energietechnik.
Leoben ist seit 1994 Partnerstadt von Xuzhou; die Modul University Vienna bietet seit 2016 in Nanjing einen Bachelor in Tourismus an. Hintergrund unter Österreich–China Handelsbeziehungen.
Für Jiangsu sind die Generalkonsulate in Shanghai zuständig: Deutschland, Österreich, Schweiz.
Kultur: Gärten, Kanal, Küche
Die klassischen Gärten von Suzhou sind UNESCO-Welterbe und das Vorbild jedes chinesischen Gartens im deutschsprachigen Raum; der Kaiserkanal, ebenfalls Welterbe, ist in Jiangsu am lebendigsten. Nanjing bewahrt die Ming-Stadtmauer und das Mausoleum des ersten Ming-Kaisers, Yangzhou die Gärten der Salzhändler. Die Küche der Provinz — Huaiyang-Küche mit Löwenkopf-Fleischbällchen und Dampfbrötchen — gilt als die feinste der acht Regionalküchen.
Anreise
Jiangsus Süden ist ein Vorort von Shanghai: Suzhou liegt mit dem Hochgeschwindigkeitszug rund eine halbe Stunde, Nanjing gut eine Stunde vom Bahnhof Shanghai Hongqiao entfernt; Nanjing Lukou hat eigene internationale Verbindungen mit Umstieg. Praktisches zu Flug, Bahn und Visum in den Reise-Ratgebern.
Städte und Naturziele in Jiangsu im Porträt
Nanjing南京
Zwischen Purpurberg und Jangtse lag über Jahrhunderte immer wieder die Hauptstadt des Südens. Die Ming umgaben sie mit einer der längsten Stadtmauern der Welt – große Teile davon stehen noch.
Suzhou苏州
Kanäle statt Straßen, Mauern um verborgene Gärten und eine Stickerei, die mit feinsten Seidenfäden malt: Suzhou war über Jahrhunderte die Stadt der Gelehrten und Kaufleute am Kaiserkanal.
Wuxi无锡
Die Stadt am Nordufer des Taihu verbindet Seeufer, Kanal und Hügel. Aus ihrem Kreis Yixing kommen die Tonkannen, in denen Teekenner seit der Ming-Zeit ihren Tee aufgießen.
Yangzhou扬州
Wo der Kaiserkanal den Jangtse kreuzt, wurden Salzhändler reich und bauten sich Gärten. Ihr Geschmack für Genuss lebt in Yangzhous Küche, seinen Teehäusern und Badehäusern fort.
Zhenjiang镇江
Drei Hügel am Südufer des Jangtse, jeder mit Tempeln und Legenden, dazu eine Fährstraße aus vielen Jahrhunderten: Zhenjiang bewacht seit der Antike die Kreuzung von Strom und Kanal.
- Historische Stätte苏州古典园林
Klassische Gärten von Suzhou
Hinter hohen weißen Mauern bauten Gelehrte ganze Landschaften im Kleinen: Felsen als Berge, Teiche als Seen, Fenster als Bilderrahmen. Jeder Schritt zeigt ein neues Bild.
- See太湖
Taihu-See
Ein flaches, weites Binnenmeer mit Inseln, Obsthängen und Fischerdörfern: Der Taihu nährte die Kultur Jiangnans und lieferte die Steine für ihre Gärten.
- Historische Stätte周庄
Zhouzhuang
Kanäle statt Gassen, Boote statt Karren: In Zhouzhuang führen Steinbrücken über das Wasser zu Kaufmannshäusern, deren Hintertüren direkt am Anleger liegen.
- Historische Stätte明孝陵
Ming Xiaoling
Steinelefanten und Kamele säumen einen Weg, der sich um einen Hügel windet, bevor er zum Grabhügel des Kaisers führt: Hier liegt Zhu Yuanzhang, der Gründer der Ming.
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