Autonome Region · Nordwestchina

Xinjiang 新疆

Xīnjiāng

Schneegipfel über Wüstenrändern, Pappelalleen und Weinlauben in den Oasen, Basare zwischen Lehmhäusern: Xinjiang war zwei Jahrtausende lang Drehscheibe der Seidenstraße zwischen China, Indien, Persien und Steppe.

  • Hauptstadt Ürümqi (乌鲁木齐)
Hauptstadt
Ürümqi (乌鲁木齐)
Kürzel
新 (xīn)
Einwohner
25,9 Mio. (Zensus 2020)Quelle
Provinz seit
1884 (Qing-Dynastie)
Gebirge
Tian Shan, Altai, Kunlun, Pamir
Wüste
Taklamakan im Tarimbecken
城市

Städte in Xinjiang

胜地

Natur und Welterbe in Xinjiang

山水

Landschaft und Klima

Tian Shan天山

Das „Himmelsgebirge“ zieht sich quer durch die Region. Gletscher speisen Flüsse, die in den Becken versickern und dort die Oasen nähren; an den Hängen wachsen Fichtenwälder über Sommerweiden.

Tarimbecken und Taklamakan塔里木盆地 · 塔克拉玛干

Im Süden umschließen Tian Shan, Pamir und Kunlun ein riesiges Becken. In seiner Mitte liegt die Taklamakan, eine der großen Sandwüsten der Erde, gesäumt von Pappelwäldern am Tarim-Fluss.

Dsungarei und Altai准噶尔盆地 · 阿尔泰山

Nördlich des Tian Shan liegt das Dsungarische Becken mit Steppe und Steinwüste. Ganz im Norden reicht das Altai-Gebirge mit Lärchenwald und Bergseen wie dem Kanas nach China hinein.

Turpan-Senke吐鲁番盆地

Östlich von Ürümqi fällt das Land in eine der tiefsten Landsenken der Erde ab. Im Sommer ist sie einer der heißesten Orte Chinas, Schmelzwasser aus dem Tian Shan macht sie dennoch fruchtbar.

Pamir und Kunlun帕米尔 · 昆仑山

Im Südwesten treffen Pamir, Karakorum und Kunlun zusammen. Der vergletscherte Muztagata über dem Karakul-See gehört zu den eindrucksvollsten Gipfeln am Weg nach Tashkurgan.

Klima气候

Ausgeprägt kontinental und trocken: heiße Sommer in den Becken, kalte Winter vor allem im Norden, große Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Regen fällt vor allem im Gebirge und im Ili-Tal.

历史

Geschichte bis 1912

  1. um 2000–1000 v. Chr.Bronzezeit

    In Gräberfeldern wie Xiaohe am Rand des Tarimbeckens bewahrte die trockene Luft Körper, Filzkleidung, Körbe und Getreide. Die Mumien aus dem Tarimbecken zählen zu den bekanntesten Funden der Archäologie Zentralasiens.

  2. 60 v. Chr.Han-Dynastie

    Nach den Gesandtschaften des Zhang Qian richteten die Han das Protektorat der Westgebiete mit Sitz in Wulei bei Luntai ein. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wirkte der Feldherr Ban Chao lange in den Oasen.

  3. 3.–10. Jh.Buddhistische Oasenreiche

    Khotan, Kucha und Gaochang wurden zu Zentren des Buddhismus mit Klöstern und Grotten. In Kucha und um Turpan entstanden Schriften in den indogermanischen tocharischen Sprachen; aus Kucha stammte der Übersetzer Kumarajiva.

  4. 640–8. Jh.Tang-Dynastie

    Die Tang gründeten 640 das Protektorat Anxi in Jiaohe und verlegten es 658 nach Kucha. Zu den „Vier Garnisonen“ von Anxi gehörten Kucha, Khotan, Kaschgar und Karasahr an den Handelswegen. Xuanzang durchquerte die Oasen auf dem Hin- und Rückweg.

  5. 744–14. Jh.Uiguren

    Das Uigurische Khaganat hatte sein Zentrum in der Mongolei. Nach seinem Ende 840 zogen uigurische Gruppen nach Gaochang und gründeten ein Königreich, in dem Buddhismus und Manichäismus blühten.

  6. 10.–12. Jh.Karachaniden

    Die Karachaniden regierten von Kaschgar und Balasagun aus und nahmen im 10. Jahrhundert den Islam an. Im 11. Jahrhundert entstanden Mahmud al-Kaschgaris türkisches Wörterbuch und Yusuf Khass Hajibs Lehrgedicht „Kutadgu Bilig“.

  7. 13.–17. Jh.Tschagatai und Yarkant

    Im 13. Jahrhundert fiel das Land an Dschingis Khans Sohn Tschagatai und dessen Nachfolger. Am Hof des Khanats von Yarkant wurde im 16. Jahrhundert der Muqam gesammelt und geordnet.

  8. 1759–1884Qing-Dynastie

    Ab 1759 verwalteten die Qing das Gebiet mit einem General in Ili; 1884 wurde Xinjiang Provinz mit der Hauptstadt Dihua, dem heutigen Ürümqi.

名胜

Sehenswürdigkeiten

NaturUNESCO-Welterbe seit 2013

Tianchi im Tian Shan

天池

Bergsee am Fuß des vergletscherten Bogda Feng, umgeben von Fichtenwald und Sommerweiden – Teil des Welterbes Xinjiang-Tianshan und ein Tagesziel von Ürümqi aus.

Natur

Kanas-See

喀纳斯湖

Lang gestreckter Bergsee im Altai, dessen Wasser je nach Licht grün bis türkis schimmert. Im Herbst färben sich die Lärchen golden; ringsum liegen Holzhausdörfer der Tuwiner.

ArchäologieUNESCO-Welterbe seit 2014

Ruinenstadt Jiaohe

交河故城

Die Lehmstadt auf einem schmalen Plateau zwischen zwei Flussarmen bei Turpan war Hauptort des Reiches Jushi und erster Sitz des Tang-Protektorats Anxi.

Tempel

Bezeklik-Grotten

柏孜克里克千佛洞

Buddhistische Höhlentempel in einer Schlucht der Flammenberge, deren Wandbilder vor allem aus der Zeit des uigurischen Königreichs Gaochang stammen.

TempelUNESCO-Welterbe seit 2014

Kizil-Grotten

克孜尔千佛洞

Die Höhlentempel bei Kuqa gehören zu den frühesten buddhistischen Grotten Chinas. Ihre Malereien in Blau und Grün zeigen Legenden aus früheren Leben des Buddha.

ArchäologieUNESCO-Welterbe seit 2014

Ruinenstadt Gaochang

高昌故城

Die Mauern der einstigen Königsstadt östlich von Turpan umschließen Tempel- und Palastreste aus Lehm. Hier predigte Xuanzang auf seinem Weg nach Indien.

Altstadt

Altstadt von Kaschgar

喀什古城

Lehmhäuser mit geschnitzten Holzbalkonen, Gassen mit Handwerksläden und die Id-Kah-Moschee aus dem 15. Jahrhundert bilden das bekannteste Stadtbild Xinjiangs.

Natur

Sayram-See

赛里木湖

Klarer Bergsee im Borohoro-Gebirge am Weg ins Ili-Tal, von Weiden und Fichtenhängen umgeben. Im Frühsommer blühen die Wiesen am Ufer.

美食

Küche und Spezialitäten

Polo抓饭

Reis, im Kazan mit Hammelfleisch, gelben Karotten und Zwiebeln gegart, dazu oft Rosinen oder Kichererbsen. Polo ist das Festessen der uigurischen und usbekischen Küche.

Laghman拉条子

Von Hand gezogene Nudeln mit einer Pfanne aus Fleisch, Paprika, Tomaten und Bohnen. Im Chinesischen heißt das Gericht auch Banmian, „gemischte Nudeln“.

Naan und Kebab馕 · 烤肉串

Das runde Fladenbrot wird an der Wand des Tonofens gebacken, oft mit Sesam, Zwiebeln oder Walnüssen. Dazu gehören Hammelspieße vom Kohlegrill mit Kreuzkümmel und Chili.

Dapanji大盘鸡

Huhn mit Kartoffeln, Paprika und Chili auf einer großen Platte, am Ende mit breiten Nudeln in der Soße – ein Gericht aus dem Norden Xinjiangs, das man zu mehreren isst.

Obst der Oasen瓜果

Heiße Tage und kühle Nächte machen Früchte süß: Trauben und Rosinen aus Turpan, Melonen aus Hami, Birnen aus Korla, Granatäpfel, Aprikosen, Walnüsse und Datteln.

文化

Kultur, Handwerk und Feste

Uigurischer Muqam十二木卡姆

Die zwölf Muqam sind große Suiten aus Gesang, Instrumentalstücken und Tanz. Der uigurische Muqam steht seit 2008 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes; eigene Spielarten gibt es in Hami, Turpan und Ili.

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Dutar, Rawap und Dap都塔尔 · 热瓦普 · 达甫

Die Dutar ist eine zweisaitige Langhalslaute, die Rawap eine gezupfte Laute mit Hörnern am Hals, die Dap eine Rahmentrommel mit Schellenringen. In Kaschgar werden sie bis heute von Hand gebaut.

Doppa und Atlasseide花帽 · 艾德莱斯绸

Die vierkantige, bestickte Kappe Doppa trägt je nach Ort eigene Muster. Atlasseide aus Hotan wird vor dem Weben in Abschnitten gefärbt – daher die verschwimmenden, flammenartigen Muster.

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Bauen mit Lehm生土建筑

Lehmziegel halten Hitze und Kälte ab. Typisch sind Innenhöfe mit Weinlauben, überdachte Veranden, geschnitzte Holzsäulen und in Turpan durchbrochene Ziegelwände der Trockenhäuser für Rosinen.

Kultur der Steppe毡房 · 冬不拉

Kasachen, Kirgisen und Mongolen ziehen im Sommer mit Jurten auf die Bergweiden. Dazu gehören die Laute Dombra, Sängerwettstreite und Reiterspiele. Das kirgisische Epos Manas ist seit 2009 UNESCO-Kulturerbe.

Basare巴扎

Der Basar ist Markt und Treffpunkt zugleich: Stände für Stoffe, Messingwaren, Gewürze, Trockenfrüchte und Nüsse, dazu Garküchen mit Naan und Polo. In vielen Orten gibt es feste Markttage.

经济

Wirtschaftliche Schwerpunkte

  • Obst und Trockenfrüchte

    Die Oasen liefern Trauben, Rosinen, Melonen, Birnen, Äpfel, Datteln und Nüsse in alle Landesteile. Rosinen aus Turpan und Hami-Melonen sind Markennamen mit langer Tradition.

  • Handwerk

    Knüpfteppiche, Atlasseide, Jadeschnitzerei, Musikinstrumente, Kupfer- und Töpferwaren werden in Werkstätten in Kaschgar, Hotan und anderen Oasen gefertigt und auf den Basaren verkauft.

  • Handelsdrehscheibe

    Über Grenzübergänge wie Khorgas im Ili-Tal und Alashankou laufen Straßen- und Bahnverbindungen nach Zentralasien – eine moderne Fortsetzung der alten Karawanenwege.

交通

Anreise und Reisezeit

Flughäfen

  • Ürümqi Diwopu (URC) – internationaler Flughafen und Drehkreuz für Inlandsflüge in der Region
  • Kaschgar (KHG), Hotan (HTN), Yining (YIN) und Turpan Jiaohe (TLQ) – für den Süden, das Ili-Tal und Turpan
  • Kanas (KJI) bei Burqin – für den Kanas-See im Altai

Bahn

  • Die Schnellfahrstrecke Lanzhou–Xinjiang verbindet Ürümqi über Turpan und Hami mit dem Hexi-Korridor in Gansu.
  • Die Südxinjiang-Bahn führt von Turpan über Korla, Kuqa und Aksu nach Kaschgar; weiter geht es nach Hotan.
  • Eine Ringbahn umrundet die Taklamakan; nach Norden fahren Züge nach Kuytun, Yining und Altay.

Beste Reisezeit

  • Mai bis Juni und September bis Oktober. Turpan ist im Hochsommer sehr heiß; der Kanas zeigt im September die Herbstfarben, der Winter ist im Norden lang und schneereich.
  • Die Entfernungen sind groß: Zwischen Nord- und Südxinjiang Inlandsflüge oder Nachtzüge einplanen statt langer Busfahrten.
  • Flüge und Fahrpläne laufen nach Pekinger Zeit, der Tag beginnt hier aber spürbar später. Öffnungszeiten von Museen und Basaren vorab prüfen.
  • Beim Besuch von Moscheen und Mausoleen Schultern und Knie bedecken; beim Fotografieren von Menschen vorher fragen.

Einreise und Visum: Visum für China · Bahnfahren: Hochgeschwindigkeitszug · Planung: China Reisen

词汇

Kleines Glossar

ZeichenPīnyīnBedeutung
新xīnKürzel der Region Xinjiang
新疆Xīnjiāng„neues Grenzgebiet“
西域Xīyù„Westgebiete“, alter chinesischer Name der Region
天山TiānshānTian Shan, „Himmelsgebirge“
塔克拉玛干TǎkèlāmǎgānTaklamakan-Wüste
丝绸之路Sīchóu zhī LùSeidenstraße
绿洲lǜzhōuOase
坎儿井kǎn'érjǐngKarez, unterirdischer Kanal
木卡姆mùkǎmǔMuqam, Suitenmusik
巴扎bāzhāBasar, Markt
问答

Häufige Fragen

Wofür ist Xinjiang bekannt?

Für Hochgebirge wie Tian Shan, Pamir und Altai, die Taklamakan-Wüste, die Oasenstädte der Seidenstraße mit Ruinenstädten und Buddhagrotten, den uigurischen Muqam, Basare, Atlasseide und Jade sowie für Trauben, Melonen, Polo und Hammelspieße.

Was ist die Hauptstadt von Xinjiang?

Ürümqi am Nordfuß des Tian Shan. Die Stadt entstand unter den Qing als Dihua und wurde 1884 Hauptstadt der neu gebildeten Provinz.

Was bedeutet der Name Xinjiang?

新疆 bedeutet „neues Grenzgebiet“. Der Name setzte sich in der Qing-Zeit durch. Ältere chinesische Texte sprechen von den Xiyu, den „Westgebieten“.

Welche Orte der Seidenstraße lassen sich besuchen?

Um Turpan die Ruinenstädte Jiaohe und Gaochang und die Bezeklik-Grotten, bei Kuqa die Kizil-Grotten, im Westen die Altstadt von Kaschgar und im Süden die Oase Hotan mit Resten des Königreichs Khotan.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai bis Juni und September bis Oktober. Im Hochsommer ist Turpan sehr heiß, die Bergweiden und Seen im Norden sind dann dagegen am schönsten. Im Winter sind viele Bergregionen schwer zugänglich.

Was isst man in Xinjiang?

Polo mit Hammelfleisch und Karotten, handgezogene Laghman-Nudeln, Naan aus dem Tonofen, Hammelspieße, Samsa-Teigtaschen und Dapanji. Dazu frisches und getrocknetes Obst sowie in den Bergen kasachischer Milchtee.

Quellen

Stand: September 2026. Änderungen vorbehalten.

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